Tätigkeitsberichte 2005 bis 2009
Eine Sonderausstellung zum 200. Geburtstag Adalbert Stifters beleuchtete 2005 in vier Vitrinen die vielfältigen Beziehungen des Dichters zum Stift St. Florian. Im Mittelpunkt der Ausstellung in der Saletta der Kaiserzimmer standen ein Originalbrief Stifters und sein 1842 gemaltes Ölbild „Mondlandschaft mit Windmühle“.
Dr. Buchmayr führte die Katalogisierung der Bücher auf Computer weiter. Im Jahr 2005 konnten 874 Werke neu aufgenommen werden, sodass mittlerweile 7.893 Werke elektronisch erfasst sind. Die Daten zu den 875 Inkunabeln St. Florians wurden aus dem handschriftlichen Inkunabelkatalog in den Inkunabelzensus Österreich auf dem Server der Österreichischen Nationalbibliothek übertragen und können nun über Internet recherchiert werden. Bei einem Unwetter wurde die Schaltzentrale für den Tagalarm im Hauptsaal der Stiftsbibliothek so schwer beschädigt, dass sie vollständig erneuert werden musste.
Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften übermittelte die Beschreibungen von 45 deutschsprachigen Handschriften der Stiftsbibliothek St. Florian, die der Germanist Richard Newald zwischen 1922 und 1926 angefertigt hatte. Die Texte bilden eine wichtige Ergänzung für die 2004 angelegte interne Handschriftendatenbank der Stiftsbibliothek. Eine weitere wichtige Bereicherung sind die Farbfotos von Miniaturen aus 41 St. Florianer Handschriften, die die Hill Museum & Manuscript Library der St. John’s University in Collegeville in den 1960-er Jahren auf Mikrofilm angefertigt und nun in digitalisierter Form auf DVD zur Verfügung gestellt hat.
Die Teilnehmer des Johannes-Beer-Symposions im Schloss Weinberg kamen zu einer Exkursion unter dem Motto „Delectatio“ nach St. Florian. Dr. Buchmayr präsentierte Erstausgaben des Barockdichters und hielt eine Sonderführung. Christian Liebl untersuchte einen mittelenglischen Text in der Handschrift XI 57 und veröffentlichte darüber den Aufsatz „Two unnoticed Early ME versions of Candet Nudatum Pectus“, in: Nikolaus Ritt and Herbert Schendl (eds.), Rethinking Middle English. Linguistic and Literary Approaches (Studies in English Medieval Language and Literature 10), Frankfurt a. M. 2005, S. 67-74.
Dr. Karl Rehberger hielt mehrere Vorträge in Oberösterreich, u.a. in Kallham zum Thema „Reformation und Gegenreformation“. Sein Aufsatz „Die Stifte und Klöster Oberösterreichs von den Anfängen bis Joseph II.“ erschien erneut in: Monika Würthinger und Josef Hörmandinger (Hg.), Orden, Säkularinstitute und geistliche Gemeinschaften in der Diözese Linz, Linz 2005 (=Neues Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 17), S. 11-24.
Dr. Buchmayr präsentierte am 14. April bei der Tagung des „Arbeitskreises Provenienzforschung“ in der Hamburger Kunsthalle die Ergebnisse seines Forschungsberichts über das Schicksal der enteigneten Klosterkunstsammlungen Oberösterreichs während der NS-Zeit für das Projekt „OÖ. Landesmuseum 1938-1955“ der Universität Linz. Am 24. November hielt Dr. Buchmayr auf Einladung des Zentrums für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg zum 60. Todestag Franz Werfels einen Vortrag über den Dichter und sein Verhältnis zum Chorherrn Johannes Hollnsteiner.
Eine Sonderausstellung in der Saletta der Kaiserzimmer zum 200. Todestag Michael Haydns beleuchtete 2006 in fünf Vitrinen die vielfältigen Beziehungen des Komponisten zum Stift St. Florian. Im Mittelpunkt stand das einzige erhaltene Autograf der „Missa in honorem Beatissimae Virginis Mariae“ (MH 15, 1758/1760). Dazu waren 21 Offsetlithografien des Grafikers Michael Zens zu sehen, die auch als Mappe im Druck erschienen.
Die barocke Eingangstür zum Bibliothekssaal wurde von der Kunsttischlerei Gaisbauer (Aschach) fachgerecht restauriert. Es gab wiederholt Sonderführungen zu halten, u.a. am 2. Mai für die University Club Library Associates aus New York, am 2. Juni für die Teilnehmer der Konferenz „Geschichte klösterlicher Büchersammlungen“ der Schlesischen Bibliothek Katowice und am 5. Oktober für eine Delegation des Klosters Strahov (Prag).
Dr. Buchmayr führte die Katalogisierung der Bücher auf Computer weiter. Im Jahr 2006 konnten 807 Werke neu aufgenommen werden, sodass mittlerweile 8.700 Werke elektronisch erfasst sind. Die Abteilung Klassische Literatur in Raum I wurde im Sommer neu geordnet. Der dabei geschaffene Freiraum konnte mit zwei neu angefertigten Großregalen des Haustischlers Anton Kranzl bestückt werden. Der Bücherbestand der Historischen Hilfswissenschaften kam in das Neue Archiv, sodass im Nebenraum des Arbeitszimmers nun Platz für Neueingänge ist.
Dr. Rehberger hielt am 16. März im Landeskulturzentrum Ursulinenhof (Linz) einen Vortrag über „Klöster im Mühlviertel“ und am 17. Oktober in St. Florian einen weiteren Vortrag zum Thema „Die St. Florianer Historikerschule und die Theologische Hauslehranstalt des Stiftes St. Florian“. Die Katholisch-Theologische Privatuniversität Linz erteilte ihm für das Sommersemester 2006 einen Lehrauftrag in Patrologie. Am 19. Oktober erfolgte im Tafelzimmer des Stiftes St. Florian eine wichtige Buchpräsentation: Karl Rehberger, Christiane und Johannes Wunschheim, „Bibliographie zur Geschichte des Stiftes St. Florian“, Linz 2006 (=Ergänzungsband zu den Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 12).
Dr. Buchmayr publizierte in den Oberösterreichischen Heimatblättern 60 (2006), S. 14-21 den Artikel „Michael Haydn und das Stift St. Florian“, der in abgewandelter Form auch in der Michael-Haydn-Mappe „Wir haben, Herr, dein Gut, verschwend’t“ (Horn 2006) des Grafikers Herwig Zens zusammen mit einem Text von Ferdinand Reisinger erschien. Am 7. Juni referierte Dr. Buchmayr zusammen mit dem Regens Chori Matthias Giesen im Landeskulturzentrum Ursulinenhof (Linz) über „Vereintes Streben nach dem Schönsten“: Franz Schuberts oberösterreichische Freunde. Die Salzburger Germanistin Maria Dorninger erstellte als Vorbereitung zu einer Edition eine Foto-CD und Transkription der Handschrift XI 575 mit einem Pilgerreisebericht über Palästina aus dem 16. Jh.
Eine Sonderausstellung in der Saletta der Kaiserzimmer war 2007 dem Maler Bartolomeo Altomonte (1694-1783) gewidmet. Im Mittelpunkt standen die beiden Gemälde „Hl. Nikolaus“ (1764) und „Grablegung Christi“, die zuvor bei der Restaurierung als Werke des Künstlers identifiziert und wieder entdeckt worden waren. Dazu gab es weitere Gemälde und Archivalien zu sehen.
Es gab wiederholt Sonderführungen zu halten, u.a. am 2. Oktober für die Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Am 30. Jänner kam die romanische Riesenbibel von St. Florian in die Digitalisierungsstelle der Universität Graz, wo Fotos für eine Monografie in der Reihe „Codices illuminati“ angefertigt wurden. Katharina Hranitzky und Michaela Schuller sichteten alle illuminierten Inkunabeln der Stiftsbibliothek und fertigten Arbeitsfotos an.
Dr. Buchmayr führte die Katalogisierung der Bücher auf Computer weiter. Im Jahr 2006 konnten 810 Werke neu aufgenommen werden, sodass mittlerweile 9.510 Werke elektronisch erfasst sind. Im November erhielt die Stiftsbibliothek eine neue Computeranlage. Die Adaptierung der Programme auf das neue Betriebssystem, die Auslagerung der Datenbanken auf einen zentralen Hausserver und die Einrichtung eines hausinternen Netzwerks erforderten viel Zeit.
Dr. Rehberger hielt am 5. Mai in Bad Goisern einen Vortrag über „Attribute der Heiligen“ und referierte am 21. Mai in Grein über „Österreichs Heilige“. Er nahm an mehreren wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen teil.
Dr. Buchmayr publizierte zusammen mit Birgit Kirchmayr und Michael John als Abschluss eines mehrjährigen Forschungsprojekts den Band „Geraubte Kunst in Oberdonau“ (Verlag OÖ. Landesarchiv). Die Präsentation fand am 2. Mai im Schlossmuseum Linz unter Anwesenheit des Landeshauptmanns Dr. Josef Pühringer statt. Im Band „Stifter und Stifterforschung im 21. Jahrhundert“, hrsg. von Alfred Doppler (Niemeyer Verlag Tübingen) publizierte Buchmayr den Aufsatz „Die Pilgerreise nach Jerusalem: Adalbert Stifters Beziehungen zum Stift St. Florian – mit einem unveröffentlichten Brief Stifters“ (S. 97-116).
Bei der Sonderausstellung „Mit freundlichen Grüßen...“ 2008 in zwei ehemaligen Prälaturzimmern des Stiftes St. Florian waren 432 frühe Karten mit oberösterreichischen Ortsansichten aus der eigenen Ansichtskartensammlung zu sehen. Die Ausstellung fand in Zusammenarbeit mit den OÖ. Landesmuseen und dem OÖ. Landesarchiv statt und war Teil des Schwerpunktprojekts „Oberösterreich 1918-2008“. Das Medienecho war groß. Bei der Eröffnung durch Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer referierten Karl Rehberger und Friedrich Buchmayr, der auch den gleichnamigen Begleitkatalog gestaltete. Alle rund 16.700 Oberösterreichmotive der Sammlung wurden digitalisiert und können im Internet unter der Adresse http://doris.ooe.gv.at/ betrachtet werden. Hoch aufgelöste Kopien sind bei der Stiftsbibliothek St. Florian erhältlich.
Die romanische Riesenbibel von St. Florian (um 1140/1150) zählt mit ihren 66 x 47,5 cm zu den größten in Österreich erhaltenen Handschriften. Friedrich Buchmayr und Karl Rehberger erstellten in Zusammenarbeit mit Friedrich Simader (Österr. Nationalbibliothek) eine erste Monografie zu dieser Prachthandschrift, die unter dem Titel „Die Riesenbibel von St. Florian“ als Band 5 der Reihe „Codices illuminati“ der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt in Graz erschien. Bei der Buchpräsentation am 8. Mai in der Sala terrena des Stiftes hielten die drei Autoren Referate.
In der Stiftsbibliothek sind mittlerweile knapp 10.000 Werke elektronisch erfasst. Antje Willing bearbeitete den Codex XI 585 und publizierte darüber den Aufsatz „Die ‚Ilias Homeri‘ des Johannes Baptista Rexius“, in: ZfdA 136 (2007), Heft 4, S. 480-499. Das Stiftsarchiv übernahm ältere Archivalien und Zeitschriften aus dem Pfarrarchiv Ebelsberg. Andreas Lindner publizierte den Band „Musikpflege in den oberösterreichischen Stiften: Aufbau, Organisationsstruktur und Personal vom 17. Bis zum 19. Jahrhundert“ (Veröffentlichungen des RISM-Österreich, Reihe A, Band 9), Wien: Verlag Der Apfel 2008. Darin finden sich viele Hinweise auf das Musikleben des Stiftes St. Florian in diesem Zeitraum.
Aus Privatbesitz kam ein Landschaftsgemälde des Propstes Vinzenz Hartl (1920-1944) in die Kunstsammlung. Brigitte Zierhut-Bösch beschäftigte sich in ihrer Buchpublikation „Ikonografie der Mutterschaftsmystik: Interdependenzen zwischen Andachtsbild und Spiritualität im Kontext spätmittelalterlicher Frauenmystik“ (Rombach 2008) auch mit der spätmittelalterlichen Terrakottaskulptur „Maria im Wochenbett“ aus der Stiftssammlung.
Das Stift St. Florian war mit Leihgaben an folgenden Ausstellungen beteiligt:
• Genesis (Illegio)
• Tiefenrausch (Linz)
• Jagdfieber (Schloss Reichenau an der Rax)
• Hans Fronius (Mondsee und Illegio)
Im Haus gab es neben der Ansichtskartenausstellung noch Paraphrasen zur Bamberger Apokalypse von Herwig Zens sowie „Bäche“ und „Vor-über-gehend“ mit Werken von Dechant Ferdinand Reisinger zu sehen.
Karl Rehberger hielt am 9. April den Festvortrag zur 900-jährigen Jubiläum der Pfarre St. Peter am Wimberg. Er nahm an mehreren wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen teil und publizierte im Sonderheft „175 Jahre Gesellschaft für Lendeskunde – OÖ. Musealverein“, Linz 2008, S. 13-15 den Aufsatz „Der OÖ. Musealverein und das Stift St. Florian“.
Friedrich Buchmayr publizierte im 29. Band (Nordhausen 2008, Sp. 906-910) des „Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikons“ von Traugott Bautz einen Artikel über den St. Florianer Chorherren Ernst von Marinelli und referierte bei einer Fortbildungsveranstaltung für Religionsprofessoren über „St. Florian in der NS-Zeit“.
Im Rahmen des Programmschwerpunkts „Bibliotheken in Österreich“ der Plattform „Klösterreich“ war 2009 im Hauptsaal der Stiftsbibliothek eine Sonderausstellung über die Klausnerin Wilbirg von St. Florian († 1289) zu sehen. Dabei wurden u.a. die kürzlich aufgefundenen Fragmente zur Lebensgeschichte (Vita Wilbirgis) gezeigt, die ihr langjähriger Beichtvater Einwik unmittelbar nach ihrem Tod verfasst hat.
In der Stiftsbibliothek sind mittlerweile 10.320 Werke elektronisch erfasst. Die Handschrift XI 585 aus dem Jahr 1584 bildete die Grundlage der Edition „Johannes Baptista Rexius: Ilias Homeri teutsch“ (Berlin 2009) von Antje Willing. Es gab wieder mehrere Sonderführungen abzuhalten, u.a. für die Königliche Gesellschaft Bibliophiler aus Belgien, Museumsbedienstete aus Lille und kirchliche Kustoden aus dem gesamten deutschen Sprachraum. Viele Kopierwünsche betrafen die rund 16.700 Oberösterreichmotive der Ansichtskartensammlung, die im OÖ. Kulturatlas unter der Internetadresse http://doris.ooe.gv.at/ recherchiert und betrachtet werden können.
Am 18. September kam ein Filmteam der BBC zu einem Interview und Aufnahmen von Autografen Anton Bruckners nach St. Florian, die in einem neuen Porträt des Komponisten Verwendung finden werden. Am 6. November führte das „Deutschlandradio Berlin“ in der Stiftsbibliothek ein Interview für eine Sendung über das Musikleben in St. Florian in der NS-Zeit durch.
Das Stift St. Florian war mit Leihgaben an folgenden Ausstellungen beteiligt:
• Rosenblatt und Federkiel (Wiblingen)
• Mahlzeit (OÖ. Landesausstellung Schlierbach)
• Nur durchgereist (Linz)
• Sant Ypoelten (St. Pölten)
Karl Rehberger hielt am 28. April den Festvortrag zur Eröffnung der Ausstellung „Rosenblatt und Federkiel“ in Wiblingen. Er nahm an mehreren wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen teil.
Friedrich Buchmayr publizierte im großformatigen Bildband „Tempels of Knowledge: Historical Libraries of the Western World“ von Ahmet Ertug und Friedrich Krinzinger (Istanbul 2009) den Beitrag „The Library of St Florian“ (S. 34-35). Für das Buch „Schörflinger Streiflichter“, hg. von Klaus Petermayr und Franz Xaver Lösch, Schörfling 2009 verfasste er den Beitrag „Die Schörflinger Bestände aus der Ansichtskartensammlung des Stiftes St. Florian“ (S. 83-100).
Die beiden Bibliothekare waren maßgeblich am Zustandekommen des neuen Stiftsführers und des Faksimilebandes „Topographia Florianensis“ beteiligt, die am 18. April bzw. am 25. Juni präsentiert wurden.


