Tätigkeitsbericht 2021

Auch das Jahr 2021 brachte keine Entwarnung bezüglich der globalen Coronavirus-Pandemie. Die dritte Ausgangssperre dauerte vom 26. Dezember 2020 bis zum 7. Februar 2021. In der Stiftsbibliothek musste wieder auf Heimarbeit umgestellt werden. Im Herbst stiegen die Neuinfektionen derart an, dass am 22. November eine neuerliche Ausgangssperre verhängt wurde. Das führte zu zahlreichen Fotoaufträgen und schriftlichen Anfragen. Der erhoffte geordnete Betrieb war im Jahr 2021 noch immer nicht möglich. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie wirkten sich leider auch nachteilig auf die 2019 begonnene Buchrestaurierungsaktion aus, die großteils über Buchpaten und Spenden finanziert werden muss.


Am 29. April erfolgte die Eröffnung der Jubiläumsausstellung „Immer noch da: 950 Jahre Augustiner-Chorherren in St. Florian“. Viele Exponate stammten aus der Stiftsbibliothek und dem Stiftsarchiv, darunter das prunkvolle Kopialbuch (Hs. 101 b), das Rituale (XI 467) und die „Geburtsurkunde“ von 1071. An den 250. Geburtstag des Chorherrn und Historikers Franz Kurz erinnerte eine Vitrine im Hauptsaal der Stiftsbibliothek, in der u.a. ein Brief von Staatskanzler Klemens von Metternich zu sehen war, mit dem er Franz Kurz 1812 zu Forschungen im Geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchiv einlud. Mit seiner Hinwendung zu den Quellen und seinem Streben nach Unparteilichkeit gilt Kurz als Pionier der kritischen Geschichtsschreibung in Österreich.


Im Laufe des Jahres waren einige Sonderführungen zu halten, u.a. am 27. September für die Abteilung Kultur und Bildung des Magistrats Linz. Das 14. ‚PORDIR Colloquium‘ mit dem Titel „The 2020 Crisis: Populism, Pandemic, and Inequality“ des Liechtenstein Institute on Self-Determination und der Princeton University (USA) wurde am 1. und 2. Juli als virtuelle Videokonferenz aus dem Hauptsaal der Stiftsbibliothek moderiert. Für den Ausbildungslehrgang Museumskustode/in der Akademie der Volkskultur hielt Friedrich Buchmayr am 22. August wieder das Modul „Zeitreise durch ein Jahrtausend: Stiftsbibliothek und Stiftsarchiv St. Florian“. Am 1. und 2. September fand im Brucknerhaus Linz das Bruckner-Symposion statt, bei dem Friedrich Buchmayr auf der Grundlage neu entdeckter Quellen über Franz Sailer referierte, der Anton Bruckner seinen Bösendorfer Flügel vererbt hat.


Die schon stark beschädigten Rollos im Archiv und im Handschriftenzimmer der Stiftsbibliothek konnten durch UV-sichere Rollos ersetzt werden. Die Nachwirkungen des Wasserschadens vom November 2019 infolge einer missglückten Feuerwehrübung waren langwierig. Nach der Restaurierung konnten aber mittlerweile alle Bücher wieder in die Regale zurückgestellt werden.
Die rund 70 signierten Fragmente der Stiftsbibliothek wurden im März in säurefreie Umschläge umgelagert und neu katalogisiert. Am 3. September erfolgte die Übergabe von acht Bananenschachteln und fünf Kartonschachteln mit Materialien aus der NS-Zeit an das OÖ. Landesarchiv. Es handelte sich um Bücher, Drucksachen und Archivalien (u.a. den Bibliothekskatalog auf Karteikarten) des Historischen Forschungsinstituts des Reichsgaues Oberdonau, zu dem im OÖ. Landesarchiv schon ein Bestand vorhanden ist.


Friedrich Buchmayr veröffentlichte den Aufsatz „Wissenschaftliche Initiativen des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert“, in: Petrus Bsteh und Brigitte Proksch (Hg.), Monotheismus: Interreligiöse Gespräche im Umfeld moderner Gottesfragen im Anschluss an Hermann Stieglecker, Paderborn 2021, S. 72–87. Gemeinsam mit Walter Wagner publizierte Friedrich Buchmayr den Aufsatz „Jean-Baptiste du Chilleau, ein französischer Bischof und Revolutionsemigrant im Stift St. Florian“, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 166 (2021), S. 255–286.

Im Stiftsarchiv wurde mit der Katalogisierung des umfangreichen Nachlasses von Propst Wilhelm Neuwirth begonnen. Im Frühling 2021 erstellte Friedrich Buchmayr das Konzept zur Aktualisierung und Erneuerung der Dauerausstellung zur Stiftsgeschichte im Beichtgang. Am ersten Findbuch zu den signierten Handschriften des Stiftsarchivs wurde weitergearbeitet.
Als Schenkung kamen die literarischen Manuskripte und Briefe des Wiener Autors Anton Brandstetter in das Stiftsarchiv, in denen sich vielfach Oberösterreich-Bezüge auffinden lassen. Ein vorläufiges Nachlassverzeichnis erstellte der Kleriker Clemens Kafka.
Vom 19. bis 21. August konnte im Stift St. Florian die vierte „Hermann Stieglecker-Gedächtnistagung“ stattfinden, die vom Forum für Weltreligionen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Orientalistik der Universität Wien organisiert wurde und internationale Experten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenführte. Die Teilnehmer erhielten auch eine Sonderführung in die Stiftsbibliothek.

Das Musikarchiv konnte einige Zuwächse verzeichnen. Am 26. Mai wurde ein zeitgenössisches Porträtfoto Anton Bruckners angekauft. Am 15. August übergaben die Bruckner-Forscherinnen Elisabeth Maier und Renate Grasberger ihre Bruckneriana-Sammlungen an das Bruckner-Archiv des Stiftes St. Florian. Neben einigen Medaillen und Porträts zeitgenössischer Künstler sind auch viele Souvenirs enthalten.


Am 10. und 11. Juni wurden die Noten der Gruppe 21 des Bruckner-Archivs (Notennachlass Bruckners) durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften für das Internetportal bruckner-online digitalisiert. Vom 11. bis 13. Juni kam Elisabeth Hilscher zu einem Blockseminar des Instituts für Musikwissenschaft der Univ. Wien nach St. Florian, das dem Thema Anton Bruckner gewidmet war.
Für das neue Buch von Sandra Föger / Franz Farnberger, Die St. Florianer Sängerknaben (St. Florian 2021) war die Autorin bei ihren umfangreichen Archivforschungen zu betreuen und viel Bildmaterial bereitzustellen. Klaus Sonnleitner hat seine Dissertation „‘Soli Deo Gloria‘: Zum Schaffen Augustinus Franz Kropfreiters“ an der Universität Mozarteum Salzburg abgeschlossen.


Am 15. Jänner und am 3. Oktober fanden die ersten Sitzungen der Arbeitsgruppe „Bruckner 2024“ mit Hans-Joachim Hinrichsen, Elisabeth Maier, Felix Diergarten, Klaus Petermayr, Klaus-Felix Kohrs, Christine Tauber und Friedrich Buchmayr statt. Die Gruppe wird das wissenschaftliche Konzept für eine Dauerausstellung über Bruckners St. Florianer Zeit im Landeshauptmannzimmer, für die Neugestaltung der Bruckner-Gedenkzimmer und des Gruft-Vorraums erstellen. Bei den Treffen wurde eine große Anzahl von Originaldokumenten aus dem Bruckner-Archiv präsentiert, aus denen die Mitwirkenden für ihre jeweiligen Themengebiete auswählten.