Tätigkeitsbericht 2017

Das Jahr 2017 stand (wie schon das Jahr zuvor) wieder ganz im Zeichen der Gesamtrestaurierung des Hauptsaals der Stiftsbibliothek. Nach einer halbjährigen Sperre konnten allerdings ab März parallel zu den Arbeiten wieder Führungen in die Bibliothek stattfinden. Ernst Prohaska (Prambachkirchen) reinigte die Oberflächen der Fenster und konservierte das Holz mithilfe einer Ölpflege. Morsche und nicht mehr tragfähige Bauteile an den Fensterstöcken und -flügeln wurden ausgetauscht. Die Restaurierung schadhafter Bleiverlötungen nahmen die Glaswerkstätten des benachbarten Stiftes Schlierbach vor. Danach montierte die Linzer Firma Kos die neuen Rollos, die keine UV-Transmission mehr zulassen.

Im Frühsommer begann Herbert Simader (St. Johann am Wimberg) mit den Arbeiten am Mobiliar. Alle Holzoberflächen wurden einer gründlichen Reinigung unterzogen. Es sollte aber bewusst zu keiner Veränderung des optischen Erscheinungsbilds (z.B. durch Hochglanz beim transparenten Lack und an den Vergoldungen) kommen. Im Vordergrund standen substanzsichernde Maßnahmen wie das Niederleimen loser Furniere und von Fassungsschollen an den Vergoldungen. Die Fehlstellen in den Schnitzereien, Vergoldungen und Furnieren wurden ergänzt. Alle Laden, Türen und Sessel sowie Schlösser und Verriegelungen der vier Tischkästen wurden überprüft und wieder funktionstüchtig gemacht. Die großen Tischplatten mussten von innen her abgestützt und so stabilisiert werden. Eine große Herausforderung stellte die Nachproduktion extrem dünner Hobelfurniere aus Nussholz dar, die an den Abrundungen der großen Tischplatten verwendet wurden und an vielen ausgebrochenen Stellen zu ergänzen waren. Bei der Auswechslung der ausgebleichten Stoffbespannungen der Tischkästen wurde Traute Rupp (Puchenau) beigezogen. Die Tischlerarbeiten konnten am 21. Dezember abgeschlossen werden.

Das Restaurierungsprojekt war für das Stift St. Florian eine große finanzielle Herausforderung, auch wenn Förderungen durch den Bund und durch die Marktgemeinde St. Florian verbucht werden konnten. Eine breit angelegte Spendenaktion erbrachte die erfreuliche Summe von 90.000 Euro. Am 29. September 2017 fand ein großes Eröffnungsfest zu Ehren der Sponsoren statt. Eine Woche später wurde die restaurierte Bibliothek im Rahmen der „Langen Nacht der Museen“ der breiten Öffentlichkeit präsentiert. Für 2018 ist die Reinigung der Regalböden und der rund 40.000 Bücher des Hauptsaals geplant. Darüber hinaus sollen die ersten Bücher restauriert werden. Buchrestauratorinnen aus ganz Österreich wurden eingeladen, Kostenvoranschläge für die Restaurierung von drei Musterbänden einzureichen.

Es gab viele Sonderführungen zu halten, nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit der Spendenaktion für die Bibliotheksrestaurierung. Der amerikanische Künstler und Designer Justin Wadge fertigte im März Zeichnungen des Hauptsaals der Bibliothek an, die in St. Florian und New York ausgestellt waren. Die Germanistik-Studentin Magdalena Lichtenwagner untersuchte deutschsprachige medizinische Handschriften der Stiftsbibliothek. Der Romanist Walter Wagner veröffentlichte im Rahmen seines Aufsatzes „L’Optique du Coeur et de l’Esprit: Eine unbekannte Handschrift des Chevalier de Berny“ (Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich 2016-2, S. 33-42) erstmals einen handschriftlichen Text von 1769.

Im Archiv begann am 13. Juni der Stipendiat Philipp Bruckmayr ein einjähriges Forschungsprojekt über den Orientalisten Hermann Stieglecker (1885-1975), der an der Hauslehranstalt des Stiftes St. Florian unterrichtet und das mittlerweile vielbeachtete Werk „Die Glaubenslehren des Islam“ (1962) publiziert hat. Im Sommer ordnete der Praktikant Harald Hofer die Korrespondenz im Nachlass Stiegleckers. Für die Begleitausstellung zum internationalen Glockensymposion in St. Florian am 6. September wurden viele Quellen aus dem Archiv zur Verfügung gestellt.

Aus dem Musikarchiv ist ein bedeutender Zuwachs zu vermelden. Erwin Horn (Würzburg) übergab am 10. November einen Originalbrief Anton Bruckners aus dem Jahr 1887. Klaus Petermayr (Anton Bruckner Institut Linz) führte seine Vorarbeiten zu einer Edition der kirchenmusikalischen Aufführungsverzeichnisse St. Florians fort. Viele Reproduktionswünsche betrafen die beiden neuen, parallel laufenden Gesamtausgaben der Werke Anton Bruckners.

In den Sammlungen hat Bernhard Prokisch im Sommer seine Arbeiten zur Neuordnung der Münzsammlung fortgesetzt und die religiösen Medaillen katalogisiert. Für ein Forschungsprojekt von Manuela Mayer über „Die numismatischen Netzwerke der österreichischen Vorgänger Eckhels“ an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften konnte auf 65 unbekannte Briefe des Numismatikers Josef Khell aufmerksam gemacht werden.

Das Stift St. Florian war mit Leihgaben an folgenden Ausstellungen beteiligt:
• Rueland Frueauf d. Ä. und sein Kreis (Wien, Österr. Galerie Belvedere)
• Reformation – Gegenreformation (Rutzenmoos, Evangelisches Museum)

Karl Rehberger und Friedrich Buchmayr gaben Interviews über Alois Nikolussi und Johannes Hollsteiner für eine ORF-Fernsehsendung in der Reihe „kreuz und quer“. Zusammen mit Wolfgang M. Schleidt veröffentlichte Friedrich Buchmayr den Artikel „Chorherren-Porzellan: Blaumalerei aus der Wiener Manufaktur im Stift St. Florian“ (OÖ. Heimatblätter 2016, Heft 3/4, S. 139-148). Am 13. März las er im Linzer Ursulinenhof aus seinem Buch „Ein Ort von Welt: 13 europäische Reisende erleben das Stift St. Florian“. Im Sonderheft „Konservieren – Restaurieren – Forschen“ der Zeitschrift „das münster“ (70. Jg. 2017, S. 343-347) erschien Friedrich Buchmayrs Aufsatz „Die Restaurierung der Stiftsbibliothek St. Florian“.