Tätigkeitsbericht 2018

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Restaurierung des Hauptsaals der Stiftsbibliothek stand im Sommer 2018 die Reinigung der Bücher und Regalböden auf dem Programm. Dem Team gehörten Bibliotheksleiter Friedrich Buchmayr, der Kleriker Clemens Kafka und der Praktikant Harald Hofer an. Im Vorfeld gab die Projektleiterin Patricia Engel (Donauuniversität Krems) eine Einschulung zur fachgerechten Staubentfernung. Dabei wurde auch besprochen, wie die Schäden an den Büchern selbst zu erheben und zu dokumentieren sind.

Mit Unterstützung durch 13 freiwillige Helferinnen und Helfer (darunter Schauspieler Gerhard Brössner) konnten vom 29. Juni bis zum 31. August alle Bücher im schwer zugänglichen Galeriebereich und mehr als ein Drittel des übrigen Bestands gereinigt und begutachtet werden. Um eine durchgängig aufrechte Stellung aller Bände zu gewährleisten, wurden 314 Buchstützen in unterschiedlichen Höhen angeschafft. Bei rund 1.500 Bänden waren Schäden festzustellen, in der Hauptsache Licht- und Wärmeschäden aus vergangenen Zeiten ohne Sonnenschutz an den Fenstern. Erfreulicherweise fand sich auch weiterhin kein aktiver Nagekäferbefall („Bücherwurm“).

Die ersten Vorbereitungen zu den eigentlichen Buchrestaurierungen wurden getroffen. Die unterschiedlichen Einbandmaterialien (vegetabil gegerbtes Leder, Pergament, alaungegerbtes Leder) und Beschädigungsgrade verlangen Fingerspitzengefühl bei der Restaurierung. Bei einem Treffen in St. Florian klärten Friedrich Buchmayr und Patricia Engel mit den beiden ausgewählten Buchrestauratorinnen noch einmal die Detailfragen ab und erteilten Aufträge zu Musterrestaurierungen. Durch eine großzügige Spende der Florianer Freunde der Kunst konnten dabei die zum Teil stark beschädigten Ledereinbände der 11-bändigen Pariser Polyglottbibel (1629-1645) restauriert werden. Dieses Meisterwerk der Buchdruckgeschichte enthält die gesamte Bibel in sieben Sprachen, darunter erstmals in Syrisch und Samaritanisch.

Es gab mehrere Sonderführungen zu halten, u.a. am 12. Juni für Studenten der Geschichte der Universität Linz. Für den Ausbildungslehrgang Heimatforschung der Akademie der Volkskultur hielt Friedrich Buchmayr am 8. Juni das Modul „Zeitreise durch ein Jahrtausend: Stiftsbibliothek und Stiftsarchiv St. Florian“.
Alle hebräischen Fragmente der Handschriftensammlung wurden fotografiert und sollen auf der Homepage der National Library of Israel (Jerusalem) präsentiert werden. Andreas Nievergelt hat bei seiner Durchsicht von Handschriften nach Glossen einige noch unbekannte althochdeutsche Griffelglossen entdeckt.
Die Buchpublikation „Donau – eine literarische Flussreise“ (Regensburg 2018) von Gerd Burger enthält eine längere Passage über das Stift St. Florian (S. 48-53).

Im Stiftsarchiv konnte der Stipendiat Philipp Bruckmayr sein Forschungsprojekt über den Orientalisten Hermann Stieglecker (1885-1975) weiterführen, der als Professor an der Hauslehranstalt des Stiftes St. Florian gewirkt und das vielbeachtete Werk „Die Glaubenslehren des Islam“ (1962) publiziert hat. Nach vielen Aufenthalten im Stiftsarchiv präsentierte der Stipendiat am 9. Mai bei einem Hermann-Stieglecker-Abend in St. Florian erste Ergebnisse. Vom 16. bis 18. September fand im Stift St. Florian eine „Hermann Stieglecker-Gedächtnistagung“ statt, die vom Forum für Weltreligionen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Orientalistik der Universität Wien organisiert wurde und internationale Experten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenführte. Der Orientalist Cornelis (Eric) van Lit erstellte einen Katalog der im Stift befindlichen Bibliothek Rudolf Geyers, des Lehrers Stiegleckers. Dieser Katalog umfasst 1.500 Bücher und ist über die Homepage der Stiftsbibliothek öffentlich zugänglich gemacht worden
Die Landschaftsarchitektin Barbara Bacher präsentierte am 3. Juli ein Konzept für eine behutsame und historisch fundierte Neugestaltung des Prälatengartens. Im Vorfeld waren die vorhandenen Pläne und Dokumente aus den vergangenen Jahrhunderten auszuheben und zu reproduzieren.
Am 24. April wurde eine größere Anzahl an Matrikelbüchern aus der Stiftspfarre St. Florian in das Stiftsarchiv überstellt. Im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Geburtshauses des Chorherrn und Komponisten Franz Xaver Müller (1870-1948) waren viele Arbeiten im Nachlass Müllers notwendig, aus dem 219 Digitalisate zur Verfügung gestellt wurden.
Im Musikarchiv hat der Dirigent und Violinist Gunar Letzbor (Ars Antiqua Austria) eine große Anzahl an Kopien von Werken des Hauskomponisten Franz Joseph Aumann (1728-1797) angefordert, die er bei verschiedenen Gelegenheiten zur Aufführung bringen will. Klaus Petermayr (Anton Bruckner Institut Linz) führte seine Vorarbeiten zur Edition der kirchenmusikalischen Aufführungsverzeichnisse St. Florians fort. Die in den vergangenen Jahren angefertigten Digitalisate aller Werke Bruckners aus dem Brucknerarchiv sind nun über die Plattform bruckner-online der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.
Im Hinblick auf das Bruckner-Jubiläumsjahr 2024 (200. Geburtstag) ist von den Kulturabteilungen der Stadt Linz und des Landes Oberösterreich ein breit angelegter Anton-Bruckner-Markenbildungsprozess eingeleitet worden. An den Workshops, die mit 2. Juli starteten, nahm auch Friedrich Buchmayr teil.

Nach dem Tod Karl Rehbergers am 31. Jänner wurde Harald R. Ehrl am 13. März zu seinem Nachfolger bestellt. Als Kustos trägt er die erste Verantwortung für die Stiftsbibliothek, das Stiftsarchiv und die Kunstsammlungen, deren wissenschaftliche Leitung nach wie vor in den Händen von Friedrich Buchmayr bleibt. Bernadette Kerschbaummayr, die an einer Dissertation über die Grafiksammlung des Stiftes St. Florian arbeitet, wurde als wissenschaftliche Referentin für die Kunstsammlungen angestellt.
Das neue Team zeigte bei der Sonderausstellung „Römisches durch die Jahrhunderte“, die vom 9. September bis zum 8. Oktober zu sehen war, viele noch nie präsentierte Objekte aus den hauseigenen Sammlungen (Skulpturen, Gemälde, Grafiken, Bücher und Fotografien). Bei der Eröffnung berichtete die ORF-Korrespondentin Mathilde Schwabeneder über ihr Leben in der Stadt Rom. In der Langen Nacht der Museen am 6. Oktober wurde eine Kinderführung durch die Römerzeit-Sonderausstellung und eine Taschenlampenführung durch den Marmorsaal angeboten. Den Höhepunkt bildete eine Lesung von Friedrich Buchmayr aus seinem Buch „Ein Ort von Welt“ mit Gitarre-Improvisationen von Severin Trogbacher und einer Lichtshow von Helmut Scheiber im Marmorsaal.

Eine weitere Sonderausstellung mit dem Titel „Verborgene Fenster — Gotische Blindfenster in neuem Licht“ (15. März bis 6. Mai) wurde von Ferdinand Reisinger organisiert. Elf befreundete Künstler, darunter Ernestine Tahedl und Manfred Hebenstreit, präsentierten ihre Entwürfe für imaginäre Glasfenster zu den gotischen Blindfenstern am Südturm der Stiftsbasilika.

Mit Leihgaben aus den Kunstsammlungen war das Stift St. Florian wieder an mehreren Ausstellungen beteiligt:
• Rueland Frueauf d. Ä. und sein Kreis (Belvedere Wien)
• Out of the Dark: Kremser Schmidt (Diözesanmuseum St. Pölten)
• Neueröffnung Geburtshaus Franz Xaver Müllers (Dimbach)

Friedrich Buchmayr nahm an mehreren Tagungen teil, u.a. am 22. Jänner am Studientag „Wirtschaftsunterlagen und Datenschutz“ der Archive der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Salzburg und am 26. April beim Treffen des Netzwerks Graphische Sammlungen im Stift Göttweig, bei dem er zusammen mit Bernadette Kerschbaummayr über die Grafiksammlung des Stiftes St. Florian referierte. Bei der Fachtagung „Klösterliche Handschriften- und Buchverkäufe in der Zwischenkriegszeit“ (16. / 17. April 2018) im Wiener Schottenstift, die vom Institut für Österreichische Geschichtsforschung und der Österreichischen Nationalbibliothek veranstaltet wurde, hielt Friedrich Buchmayr einen Vortrag über die Inkunabelverkäufe des Stiftes St. Florian in der Zwischenkriegszeit. Er gab auch mehrere Interviews, u.a. für die Sendung „Geheimnisvolle Orte VI: Hitlers Linz“ (ARD, 23. Juli) und „Heimat Österreich: Stift St. Florian“ (ORF III, 31. Oktober).