Tätigkeitsbericht 2016

Das Jahr 2016 stand ganz im Zeichen der Gesamtrestaurierung des Hauptsaals der Stiftsbibliothek. Im Vorfeld waren viele Besprechungen mit dem Bundesdenkmalamt und mit den Restauratoren notwendig und einige bürokratische Hürden zu überwinden. Vor Ort mussten die vier großen Tischkästen im Hauptsaal ausgeräumt und die dort aufbewahrten rund 700 Pläne umgelagert werden. Im benachbarten Floriangang waren alle Kunstgegenstände, darunter auch die beiden mittelalterlichen Florianstatuen, vorübergehend abzutransportieren, weil neue elektrische Leitungen im Boden verlegt werden mussten.

Am 29. Juni begannen die Restaurierungsarbeiten mit den Bodenfliesen (Fa. Fraundorfer, St. Martin i. M.). Schadhafte Stücke wurden repariert oder ausgetauscht, die Fugen gereinigt und erneuert. Zur Verlegung der elektrischen Kabel mussten viele Fliesen vorübergehend entfernt werden. Am 12. Juli erfolgte eine Abschlussbesprechung des Gesamtprojekts mit allen beteiligten Restauratoren und Handwerkern unter Anwesenheit der Landeskonservatorin Ulrike Knall-Brskovsky. Anschließend konnte das Gerüst aufgebaut werden.
Am 25. Juli begann die Restaurierung des Deckenfreskos (Herbert Schwaha). Das noch nie restaurierte Fresko von 1747 wies noch die abschließenden Kreideretuschen des Künstlers Bartolomeo Altomonte auf. Aufgrund des hervorragenden Gesamtzustands beschränkten sich die Arbeiten auf eine sensible Oberflächenreinigung und auf das Zurückdrängen einzelner Verschwärzungen, die durch bestimmte Farbkomponenten entstanden waren. Nur eine Stelle mit Folgeschäden aus einem lange zurückliegenden Wassereinbruch erforderte ein tieferes Eingreifen.
Noch im Sommer konnte mit der Verlegung der elektrischen Leitungen (Fa. Karrer, St. Florian) im Boden und hinter den Regalwänden begonnen werden. Vor dem Bibliothekseingang wurde in die Wand ein neuer Sicherungskasten eingebaut, der auf Wunsch des Denkmalamts eine barocke Eisentür (wie bei den Feuerstellen für die Kachelöfen) erhielt. Die Elektroarbeiten kamen mit der Anbringung der Deckenbeleuchtung zum Abschluss.
Ab 22. August nutzte der Tischler (Herbert Simader, St. Johann a. W.) die Eingerüstung zu Reinigungsarbeiten an den Gesimsen der Buchregale und zur Restaurierung der dortigen Goldfassungen und Schnitzwerke. Die Untersuchung des Buchbestands nach Insektenbefall (Patricia Engel, Langenlois) verlief erfreulicherweise negativ, sodass keine Begasung des Raums notwendig war.
Da alle Arbeiten zeitgerecht abgeschlossen wurden, konnte das Gerüst noch in der Woche vor Weihnachten wieder abgebaut werden.

Um den Besucherinnen und Besuchern St. Florians auch in der Zeit der Schließung des Bibliothekssaals einen Einblick in die Bücherwelt zu ermöglichen, wurden im Musiksalon in vier Vitrinen mittelalterliche Handschriften und seltene Drucke gezeigt, die bisher noch nie zu sehen waren. Einen Höhepunkt bildeten die barocken Mikrografien, also Kalligrafien in höchster Vollendung, und eine Publikation des „Vater Unser“ in 814 Sprachen der Welt (Wien 1844-47). Auch die Ölskizze Bartolomeo Altomontes zum Deckenfresko der Stiftsbibliothek war zu sehen. Neben dem Bibliothekseingang wurde ein großformatiges Panoramafoto des Hauptsaals präsentiert, das die bekannte Innenraumfotografin Candida Höfer zur Verfügung stellte.

Der übliche Alltagsbetrieb in Bibliothek, Archiv und Sammlungen lief ungehindert weiter. Es gab einige Sonderführungen zu halten, u.a. für das Institut für Kunstgeschichte der Univ. Passau. Eine Folge der populären ORF-Fernsehserie „Aus dem Rahmen“ mit Karl Hohenlohe wurde ausschließlich dem Stift gewidmet. Es gab am 4. März Aufnahmen und Interviews an den wichtigsten Schauplätzen im Haus. Am 12. Mai folgten Aufnahmen für die ORF-Fernsehserie „Zurück zur Natur“ mit Interviews über alte Kräuterbücher und über die Restaurierung der Stiftsbibliothek. Geoff Tompkinson fertigte für einen Werbefilm von Oberösterreich-Tourismus Aufnahmen in der von ihm entwickelten Hyperzoom-Technologie in der Stiftsbibliothek an.

Im Musikarchiv trafen viele Reproduktionswünsche ein, nicht zuletzt deshalb, weil gleichzeitig zwei neue Bruckner-Gesamtausgaben anliefen. Dabei gab es auch vermehrt Rückfragen zu Anton Bruckners Umfeld im Stift zu beantworten. Fabian Freisberg nützte die Bestände des Musikarchivs für seine Dissertation „Die Kirchenmusik Anton Bruckners: Ein Beitrag zum Verständnis der Entwicklung seiner künstlerischen Identität“ (Saarbrücken 2016).

In den Sammlungen hat Bernhard Prokisch im Jänner seine Arbeiten zur Neuordnung der Münzsammlung fortgesetzt. Einen großen zeitlichen Mehraufwand verursachte eine Änderung in der Computersoftware für die Aufnahme von Museumsbeständen beim OÖ. Museumsverbund. Die rund 3.500 Datensätze für deutsche Grafiken aus der Grafiksammlung des Stiftes mussten konvertiert, in das neue Programm „Museumskollektor“ importiert und umfassend nachbearbeitet werden, um langfristig nutzbar zu bleiben.

Das Stift St. Florian war mit Leihgaben an folgenden Ausstellungen beteiligt:
• Hexen (Japan, u.a. Tokyo)
• Mensch & Pferd (OÖ. Landesausstellung Stadl-Paura, Lambach)

Karl Rehberger publizierte zusammen mit Christiane Wunschheim den Nachtragsband „Bibliographie zur Geschichte des Stiftes St. Florian 2011-2015“ (Verlag des OÖ. Landesarchivs) und die Ausgabe des „Advocatus fidelis“ des Barockpropstes Johann Georg Wiesmayr, mit dem dieser Rechenschaft über seine Amtszeit ablegte (Verlag Wagner, Linz).