Tätigkeitsbericht 2010

Zum 350. Geburtstag des Barockbaumeisters Jakob Prandtauer war im Tafelzimmer des Stiftes St. Florian eine Sonderausstellung zu sehen. Ein neu angefertigtes Modell des Stiftes St. Florian gab Aufschluss über die Etappen der Barockisierung und die Bauphase Jakob Prandtauers. Baumaterialien und Handwerkerutensilien aus der Barockzeit veranschaulichten den Alltag auf der Baustelle.

Im Mittelpunkt stand der Originalvertrag zwischen Propst Franz Claudius Kröll und Jakob Prandtauer vom 11. Oktober 1708. Darüber hinaus waren Originalpläne und Zahlungsquittungen Prandtauers und viele Idealansichten der Stiftsanlage zu sehen. Der Marmorsaal, die grandioseste Bauleistung Prandtauers, war Teil der Ausstellung.

Eine Miniatur mit den Heiligen Drei Königen aus dem romanischen Missale III 208, das um 1200 im oder für das Stift St. Florian angefertigt wurde, kam als Motiv auf die Weihnachtsbriefmarke der Post. Bei der Präsentation in St. Florian am 12. November sprach Altbischof Maximilian Aichern.

Die Stiftsbibliothek war Drehort für mehrere Filme, u.a. zur Geschichte zweier deutscher Großfirmen. Es gab wiederholt Sonderführungen abzuhalten, etwa für die Freunde der Bibliothek in Ferrara (Italien). Michaela Schuller und Christine Beier, zwei Mitarbeiterinnen der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, bearbeiteten die illuminierten Handschriften des 13. und 14. Jahrhunderts der Stiftsbibliothek. Bei dieser Gelegenheit wurden Fotos aller Illustrationen angefertigt.

Edo Skulj veröffentlichte die Monografie „Križmanova orglarska delavnica“ (Ljubljana 2010) über den Orgelbaumeister Franz Xaver Krismann, der auch die Orgel in der Stiftsbasilika St. Florian errichtete. Das Buch enthält Erstdrucke von poetischen Werken Krismanns, die nur in der Stiftsbibliothek St. Florian erhalten geblieben sind.

Das Stift St. Florian war mit Leihgaben an folgenden Ausstellungen beteiligt:

• Renaissance und Reformation (OÖ. Landesausstellung Schloss Parz/Grieskirchen)

• Jakob Prandtauer: Der Profanbaumeister (Stadtmuseum St. Pölten)

• Jakob Prandtauer: Planen und Bauen im Dienst der Kirche (Diözesanmuseum St. Pölten)

• Jakob Prandtauer: Leben im Barock (NÖ. Landesmuseum)

• Die Hirten (Dommuseum Salzburg)

• Angeli (Tolmezzo, Italien)

• Van Eyck bis Dürer (Brügge, Belgien)

Karl Rehberger nahm an mehreren wissenschaftlichen Kongressen teil. Am 29. April hielt er bei der Tagung „Anton Bruckners Messen“, die von der Österr. Akademie der Wissenschaften und der Wiener Katholischen Akademie veranstaltet wurde, einen Vortrag über „Bischof Rudigier und die Linzer Kirchenpolitik“. Zusammen mit Christiane Wunschheim veröffentlichte er im Linzer Wagner-Verlag eine Faksimileausgabe der prunkvollen Archivhandschrift „Series Praelatorum“ (Hs. 79). Bei der Buchpräsentation am 11. Dezember hielt er den Festvortrag über einige bedeutende St. Florianer Prälaten.
Friedrich Buchmayr verfasste Beiträge für das Österr. Biographische Lexikon und publizierte den Aufsatz „Franz Schubert, der Linzer Freundeskreis und das Stift St. Florian“, in: Schubert-Perspektiven 8(2008), Heft 2, S. 135-190. Er stellte auch die Begleitbroschüre „Baustelle Stift St. Florian: Die Ära des Baumeisters Jakob Prandtauer 1708-1726“ zur Sonderausstellung zusammen.