Gestern / Heute

Als die regulierten Chorherren des hl. Augustinus 1071 nach St. Florian kamen, führten sie vermutlich nur wenige Bücher mit sich, die sie für die Seelsorge und Liturgie benötigten.

Noch 1345 waren die Codices zweckentsprechend in der Sakristei aufbewahrt. Die ältesten Statuten der Chorherren (12. Jh.) nennen unter den Beispielen für Handarbeit an erster Stelle das Schreiben. Für die Jahrzehnte von 1250 bis 1330 lässt sich in St. Florian eine Maler- und Illuminatorenschule von hohem Rang nachweisen.

Als eigentlicher Gründer der Bibliothek gilt Propst Leopold Zehetner (1612-1646), der erstmals für eine gezielte Bestandsvermehrung sorgte. Ihren größten Gönner fand die Stiftsbibliothek in Propst Johann Georg Wiesmayr (1732-1755). Er führte den Neubau des großen Bibliothekssaales (1744-1749) durch und ließ über eigens in die wichtigsten europäischen Städte entsandte Unterhändler Bücher im Gesamtwert von 11.000 Gulden anschaffen. Die unter seiner Ägide angelegten Kataloge verzeichnen bereits über 15.000 Bände.

Zu diesen systematischen Ankäufen kamen in der Folge auch Bücherschenkungen. Baron Wolf Martin Ehrmann von Falkenau (1692-1756) vermachte der Stiftsbibliothek 2.700 Bände. Zahlreiche Handschriften (über 50) und Inkunabeln verdankt die Stiftsbibliothek dem Linzer Bischof Thomas Gregor Ziegler (1827-1852); sie stammten größtenteils aus seinem 1806 aufgehobenen Stammkloster Wiblingen.

Im Laufe des 19. Jh. waren viele Florianer Chorherren als Professoren am Linzer Gymnasium und an der dortigen theologischen Lehranstalt (ab 1849 existierte eine eigene in St. Florian) tätig. Für die Bibliothek wurden damals Ausgaben lateinischer und griechischer Klassiker und zahlreiche bibelwissenschaftliche Werke angeschafft. Franz Kurz (1771-1843) war der erste einer Reihe bedeutender Geschichtsforscher ("Florianer Historikerschule"), deren einschlägige Büchersammlungen später der Stiftsbibliothek zufielen. 1897 war der Buchbestand zur Geschichte (21,4 Prozent des Bestandes) annähernd gleich groß wie jener der Theologie (21,9 Prozent).

Bibliothekar Albin Czerny (1821-1900) ordnete die rasch anwachsende Sammlung (1835: 40.000 Bände, 1867: 60.000 Bände) neu. Er unterteilte den Buchbestand in 15 Abteilungen und stellte ihn im barocken Hauptsaal und in 7 Nebenräumen auf. Czernys System ist für den historischen Bestand (bis zum Erscheinungsjahr 1971) weiterhin verbindlich. Ab 1971 wurden die Neuerwerbungen nach dem Numerus currens aufgestellt und dreifach katalogisiert. Seit Juli 1998 erfolgt die Katalogisierung der Neuzugänge elektronisch.