DIE ORGELN

Die große Orgel der Stiftsbasilika zu hören, ist seit jeher ein Höhepunkt für viele Besucher des Stiftes. Auch Anton Bruckner hat hier viel Inspiration für sein Schaffen bekommen.

Aus dem Kirchenschiff der Basilika eröffnet sich der imposante Blick auf den mächtigen Prospekt der „Brucknerorgel" auf der Westempore.
Das Instrument wurde von dem slowenischen Orgelbauer Franz Xaver Krismann (1726-95), der damals mit dem Bau der Orgel der Abtei Engelszell (heute im Alten Dom in Linz) beschäftigt war, unter Propst Matthäus Gogl 1770-74 erbaut. Mit 74 Stimmen (teilweise mehrfach besetzte Züge) auf drei Manuale verteilt, entstand ein für die damalige Zeit monumentales Werk. Bis 1886 war sie die größte Orgel der Donaumonarchie. In zahlreichen Berichten reisender Gelehrter zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird vor allem auf die außergewöhnliche Klangkraft, aber auch auf die Lieblichkeit der Stimmen hingewiesen.

 

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Wegen schon frühzeitig auftretender Probleme bei der Windversorgung kam es zu mehreren Umbauten der Balganlage (1783 hatte das Werk 17 Bälge erhalten!). In den 1830er und 40er Jahren, zur Zeit, als Bruckner hier Sängerknabe und später Stiftsorganist war, befand sich die Orgel noch im nahezu unveränderten Zustand des Krismann-Baues. Unter Propst Ferdinand Moser entschloss sich das Stift 1873 zu einem Umbau der Orgel und betraute den Salzburger Orgelbauer Matthäus Mauracher mit den Arbeiten. Hierbei wurde nicht nur etwa ein Drittel der Krismannschen Pfeifen durch neue ersetzt, um einem eher romantischen Klangideal gerecht zu werden, sondern auch die Disposition wurde auf 78 Register erweitert und ein viertes Manual hinzugefügt. Außerdem wurde die Mittelfront des Prospektes von 8'- auf 16'-Länge umgebaut. Weiterhin wurden etliche Register umintoniert. Bei der Kollaudierungsfeier spielte am 18. Oktober 1875 neben dem damaligen Stiftsorganisten Joseph Seiberl auch Anton Bruckner. Der Spieltisch dieser Orgel ist heute im Bruckner-Geburtshaus in Ansfelden zu sehen.

Technische Mängel sowie die Neuerungen des Orgelbaus ließen nach dem Ersten Weltkrieg Pläne einer grundlegenden Modernisierung des Instrumentes aufkommen. Wortführend in dieser Hinsicht war der Bruckner-Biograph Max Auer, der eine Erneuerung der Orgel mit dem 100. Geburtstag des Komponisten 1924 in Verbindung bringen wollte. Bis zum Beginn der Arbeiten vergingen noch sechs Jahre kontroverser Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern (u. a. Mauracher) einer Erneuerung. Die Orgelbaufirmen Dreher und Flamm (Salzburg) und Gebr. Mauracher (Linz) tauschten 1931/32 die Schleifladen gegen Kegelladen aus und versahen das Instrument mit einer elektropneumatischen Spieltraktur. Gleichzeitig wurde die Orgel wiederum erweitert und zählte nach Abschluss der Arbeiten 92 Register. Die Chororgeln wurden noch an die Hauptorgel, die seit 1932 „Brucknerorgel“ genannt wurde, angeschlossen. Während der Besetzung des Stiftes durch die Nationalsozialisten (Reichsrundfunkanstalt) sollte die Orgel erneut Umbau- und Erweiterungsarbeiten unterzogen werden. Nach Vorschlag des Leipziger Thomaskantors Günter Ramin, der auch als Organist für St. Florian vorgesehen war, sollte die Orgel grundlegend umgebaut werden. Jedoch konnte sich das Konzept von Josef Mertin durchsetzen, wonach wieder eine stärkere Anlehnung an die alte Krismann-Orgel geplant war. Die Firma Zika aus Ottensheim/OÖ arbeitete jedoch wegen Materialbeschaffungsproblemen in der ausgehenden Kriegszeit bis 1951 an dem Umbau: Das Krismannsche Werkprinzip sollte weitgehend wiederhergestellt werden, die Orgel erhielt wieder Schleifladen und fehlende Krismann-Pfeifen wurden neu erstellt. Die Trakturen blieben elektropneumatisch, die Registerzahl beläuft sich seitdem auf 103. Nach dem Vorschlag Josef Mertins wurden ein Trompeten- und ein Regalwerk als Auxiliarklavier sowie ein Schwellkasten (darin das Labialwerk) hinzugebaut.

Nach den Restaurierungsarbeiten der OÖ. Orgelbauanstalt Kögler 1994-96 erhielt das Instrument elektrische Traktur und einen neuen Spieltisch mit elektronischer Setzeranlage (4 x 640 Kombinationen) sowie einem Diskettenspeicherwerk und einer automatischen Abspielanlage per Magnetband. Die heutige Orgel besitzt 7386 Pfeifen, die sich auf Positiv, Hauptwerk, Oberwerk, Labialwerk (schwellbar), Trompetenwerk, Regalwerk und Pedalwerk verteilen.

Die Chororgeln
Die Stiftsbasilika St. Florian besitzt außerdem zwei auf den beiden Choremporen stehende Chororgeln (III/38), die von einem Spieltisch aus gespielt werden; sie gehen auf den Wiener Orgelbauer Josef Remmer (1691/92) zurück. Die Instrumente wurden mehrmals neu- bzw. umgebaut, unter teilweiser Verwendung alten Pfeifenmaterials,

Die Orgel in der Marienkapelle
In der Marienkapelle befindet sich eine von Anton Bruckners Bruder Ignaz gestiftete pneumatische Orgel von Josef Mauracher aus dem Jahre 1903 (II/10; Sub- und Superoktavkoppeln).

Literaturhinweise
- Wolfgang Kreuzhuber: Die große Stiftsorgel von St. Florian, in: "Die Singende
   Kirche" 1997, Teil 1: S. 86-94, Teil 2: S. 150-160.
- Karl Rehberger: "Unstreitig die prächtigste Orgel im Lande" - Zur Geschichte 
  der großen Orgel von St. Florian, in: Stiftskirche St. Florian, St. Florian 1996,
  S. 65-71.
- Helmut Kögler: Die Technik der großen Orgel von St. Florian im Laufe der
  Jahrhunderte, ebenda, S.72-79.