Glocken

Im Stift St. Florian haben sich vielfältige und zahlreiche Sammlungen von Kunst- und Kulturgütern erhalten. Eine Sammlung, die in ihrer Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt und in ihrer Großartigkeit nicht überhört werden kann, sind jene Glocken, die sich im Stift befinden.

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a) Die Turmglocken

Im Stift St. Florian haben sich vielfältige und zahlreiche Sammlungen von Kunst- und Kulturgütern erhalten. Eine Sammlung, die in ihrer Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt und in ihrer Großartigkeit nicht überhört werden kann, sind jene Glocken, die sich im Stift befinden. Es ist der wohl bedeutendste und zugleich umfangreichste Bestand an historischen Glocken in Österreich und weit darüber hinaus. Elf alte Glocken sind im Stift erhalten geblieben. Von diesen wiederum ist der größere Teil, nämlich sechs Instrumente, aus der Zeit um 1300, die anderen aus den folgenden 4 Jahrhunderten. Obwohl sie aus verschiedenen Zeiten stammen, von verschiedenen Gießern, verschieden in der Konstruktion, vereinen sie sich zu einem prächtigen Plenum, zur unverwechselbaren Klangsilhouette des Stiftes. Mit einer Randnotiz zum 23. Mai im ältesten Totenbuch - "An diesem Tag wurde unsere Glocke gegossen" - beginnt die Geschichte der Glocken. Der Eintrag dürfte aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammen.

 

 

Zwei undatierte Glocken (Glocke 7 bzw. 10)

derzeit in der Laterne des Bläserturms - der Turm über dem Portal - als Uhrschlagglocken starr aufgehängt, weisen, was ihre äußere Form, die Gestaltung der Henkelkrone und der Schriftzeichen betrifft, in die Zeit vor 1300. Die erste ist ohne Inschrift, auf der zweiten befinden sich die Namen der vier Evangelisten.

 

 

 

Das gotische Vierergeläute aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts

Auf der "Zwölferin" oder "Angelusglocke" (Glocke 3), die dreimal am Tag zum "Engel des Herrn" einlädt, lesen wir in Übersetzung: "Im Jahre des Herrn 1318 unter Propst Heinrich bin ich aus 26 Zentnern gemacht worden. Die Marienglocke soll die Brüder dieser Kirche stets zum Beten, Singen oder Wachen rufen." Sie kann als die qualitätvollste der mittelalterlichen Glocken bezeichnet werden. Freilich sind bei ihr, wie auch bei den anderen Stücken, sehr starke Abnützungserscheinungen durch den langen Gebrauch nicht zu übersehen. Ihre Schwester, die "Elferin" oder Florianiglocke (Glocke 4), lässt uns wissen - in Übersetzung: "Im Jahr des Herrn 1318 ist dieses Werk gemacht worden. Dieser Glocke Klingen St. Florian will lobsingen. Die dich loben, Blümelein, im Paradiese lasse sein." Zu erwähnen sind die drei ovalen Siegel, feine Arbeiten von ca. 6 cm Höhe und 3 cm Breite, die sich oben um die Glocke herum befinden. Die Inschrift der "Sechserin" (Glocke 5) heißt übersetzt: "1319 wurde dieses Werk aus 10 Zentnern ... "Agla" ... Johannes... Paul ... Augustinus, führe uns fromm täglich". Die "erste Chorglocke" (Glocke 6) zeigt in kleinen Medaillons (Durchmesser: 3 cm) die Symbole der vier Evangelisten. Die Inschrift lautet: "1319 ... "Agla" ... Jesus Christus ... Auf die Bitte Gregors vereine uns mit den Heiligen".

 

 

 

Die Glocke aus dem Jahr 1471 (Glocke 8)

Eine Glocke aus dem Jahr 1471, die "zweite Chorglocke", jetzt auch als Sterbeglocke benützt, ist mit einem Teil des Gebetes des "Gegrüßet seist, du Maria" in gotischen Kleinbuchstaben verziert. Zwischen den Worten befinden sich stilisierte Blätter und ein Hirsch. Auf dieser Glocke nennt sich der Gießer "maiccter iörg". Es ist Jörg Gloppitscher. Archivalische Nachrichten berichten uns von Guss, Begutachtung und der Weihe einer 71 Zentner schweren "Christglokken" im selben Jahr durch denselben Gießer in Salzburg. Sie bildete damals das Fundament des Stiftsgeläutes und ist nicht mehr erhalten.

 

 

 

Die Barockglocken des 17. Jahrhunderts

Die Frauen- oder Dechantglocke (Glocke 2), die zweitgrößte des Geläutes, stammt aus dem Jahr 1648. Die Henkelkrone ist in sechs bärtigen Fratzen geformt. Den Hals ziert ein 4 cm breiter Arabeskenfries, darunter befinden sich zwei Schriftbänder, durch Wülste getrennt. In 3 cm hohen lateinischen Großbuchstaben lesen wir: "MATTHIAS PRAEPOSITUS AD SANCTUM FLORIANUM ME FIERI CURAVIT ANO DNI MDCXLVIII (Matthias, Propst zu St. Florian, hat gesorgt, dass ich geschaffen wurde im Jahr des Herrn 1648). ZU DER EHRE GOTTES LEID MAN MICH DIE LEBENDIGEN PERUFE ICH DIE TOTEN BEWEINE ICH MARTIN FITLER IN LINZ GOSS MICH 1648". Darunter läuft noch einmal ein Arabeskenfries mit Fratzen und Doppelkreuzen. Am Mantel befinden sich folgende Bilder als Halbreliefs: Maria mit Kind in einem Strahlenkranz, zwei Engel halten eine Krone über ihrem Haupt, hl. Florian und hl. Augustinus. Unter dem Kruzifix befindet sich folgende Inschrift: "Der durch das Creutz den bitren Dott die ganze Welt erleset hat". Weiters das Wappen des Stiftes verbunden mit dem Personalwappen des Propstes Matthias Gotter. Den unteren Teil der Glocke zieren Bilder des Heilandes und der zwölf Apostel mit ihren Attributen (ca. 17 cm hoch). Dazwischen befinden sich je drei Naturblätterabdrücke. Das alles ist von so feiner Arbeit, dass z.B. an den Salbeiblättern sämtliche Adern des Blattes zu sehen sind. Der Schlagrand ist nochmals mit ornamentalen Mustern zwischen zwei Wülsten verziert. Die nächste Glocke (Glocke 9) in zeitlicher Reihenfolge entstand 1689. Dieses Instrument ist mit allen seinen Teilen in originaler Ausstattung vorhanden. Die Glocke selbst, ihre "Ausrüstung", d.h. der geschmiedete und schön geformte Eisenklöppel, sämtliche Schrauben, das alte barocke Holzjoch mit den ziselierten Flacheisenbändern, die Aufhängung der Glocke an zwei Eisenstangen, die an den Holzsparren der mit Kupferblech ausgekleideten Konstruktion der Laterne des Südturmes befestigt sind. Der Inschrift entnehmen wir: "Johann Gordian Schelchshonr (!) in Regenspurg goß mich anno 1689". Weiters lesen wir: "Et Verbum caro factum est". Wir finden den Namen Jesu (IHS im Strahlenkranz), Josefs (IPH) und Marias. Die Glocke ist verziert mit Putti, einem Bild der Himmelskönigin mit Jesuskind und Zepter, einem Bild der Heiligen Familie mit der Inschrift: "Jesus, Maria, Josef". Die Bögen der Henkelkrone sind als menschliche Gesichter modelliert. Die sogenannte Loretto-Glocke (Glocke 11) kam aus Italien. Ihr Gießer ist unbekannt, das Gussjahr 1690. Am Hals der Glocke verläuft ein Blattfries. Ihre Flanke ist geschmückt mit dem Bild des Crucifixus und der Übertragung des Heiligen Hauses durch Engel nach Loretto.

 

 

 

Die große Glocke aus dem Jahr 1717 (Glocke 1)

Der Bau des Nordturmes war um 1700 vollendet. Dessen Oktogon sollte der Platz für eine neue, große Glocke sein, die Propst Johann Baptist III. Födermayr (1716-1732) 1717 bei Mathias Prininger in Krems in Auftrag gab: die "Prälatenglocke", die "Große" oder "Angstglocke" (weil sie Donnerstag abends durch ihr Läuten an die Todesangst Jesu am Ölberg erinnert) Die Henkelkrone mit sehr gut gearbeiteten menschlichen Köpfen, am Hals Puttenköpfe. Die eleganten Bilder um die Glocke: Marienkrönung, Taufe Jesu durch Johannes, die Heiligen Florian, Sebastian, Veronika und Donatus; Stifts- und Propstwappen. Die Inschrift, in lateinischen Großbuchstaben, die um den Hals läuft lautet: "ZU DER EHR GOTTES LEIDT MAN MICH DIE LEBENDIGEN BERUFE ICH DIE TODEN BEWEINE ICH MATHIAS PRININGER IN KREMBS GOSS MICH 1717. Am Schlagring das Chronogramm: IOANNES BAPTISTA PRAESVL SANCTI FLORIANI NATVS IBIDEM". Am Wappen: "JOHANNES BAPTISTA FÖDERMAYR ZU SANCT FLORIAN". Erhalten sind neben dem Glockenstuhl aus Eiche, an dem in den vierziger Jahren kleine Ausbesserungen vorgenommen wurden, das mächtige Eichenholzjoch, die ziselierten Flacheisenbänder und Schrauben, die mit Blüten aus Eisen verziert sind. Sie ist die größte Glocke des Landes Oberösterreich und die größte historische Glocke Österreichs.

 

 

 

 

Die Geburtsglocke aus dem Jahr 1999 (Glocke 12)

In einem Schauguss wurde in der Silvesternacht 1999 von Rudolf Perner diese Glocke gegossen. An einem historischen Ort, der Gusshalle der ehemaligen Florianer Glockengießerei, in der auch 1952 die Pummerin gegossen wurde, entstanden, sollte sie eine alte Tradition aufgreifen und ins neue "Jahrtausend" hinüberklingen lassen. Auf ihr ist zu lesen: "FÜR DAS KOMMEN JESU CHRISTI DANKE ICH. DIE NEUGEBORENEN BEGRÜSSE ICH UND EMPFEHLE SIE DEM SCHUTZ DES MENSCHGEWORDENEN GOTTES. RUDOLF PERNER GOSS MICH. DIE MARKTGEMEINDE GAB MICH UND GESELLTE MICH ZU DEN GLOCKEN IM STIFTE. AN DER SCHWELLE ZUM JAHR DES HEILES 2000". Die Glocke ist mit einem Bild des Erzengels Gabriels verziert, dessen Model aus der Werkstatt des Florianer Glockengießermeisters Johannes Dettenrieder stammt. Sie wird geläutet zur Geburt und zur Taufe eines Kindes.

 

 

 

 

Glocke 1

Glocke 2

Glocke 3

Glocke 4

Glocke 5

Glocke 6

Gießer

Matthias Prininger

Martin Fitler

 

 

 

 

Gussjahr

1717

1648

1318

1319

1319

1319

Schlagton

f 0-5

h 0-5

fis 1+5

a 1+2

cis 2-4

e 2+1

Durchmesser

244,3 cm

181,3 cm

125,5 cm

106,5 cm

91,4 cm

76,3 cm

Gewicht

8643 kg

5376 kg

1456 kg

800 kg

550 kg

300 kg

 

Glocke 7

Glocke 8

Glocke 9

Glocke 10

Glocke 11

Glocke 12

Gießer

 Jörg GlopitscherJoh. G. Schelchshorn  Rudolf Perner

Gussjahr

vor 130014711689vor 130016901999

Schlagton

 gis 2+4fis 2+10d 3gis 3d 2+1

Durchmesser

68 cm55,7 cm53,6 cm44 cm30 cm72,9 cm

Gewicht

 112 kg90 kg 15 kg238 kg

Glocke 1

Gießer

Matthias Prininger

Gussjahr

1717

Schlagton

f 0-5

Durchmesser

244,3 cm

Gewicht

8643 kg
Glocke 2

Gießer

Martin Fitler

Gussjahr

1648

Schlagton

h 0-5

Durchmesser

181,3 cm

Gewicht

5376 kg
Glocke 3

Gussjahr

1318

Schlagton

fis1+5

Durchmesser

125,5 cm

Gewicht

1456 kg
Glocke 4

Gussjahr

1319

Schlagton

a 1+2

Durchmesser

106,5 cm

Gewicht

800 kg
Glocke 5

Gussjahr

1319

Schlagton

cis 2-4

Durchmesser

91,4 cm

Gewicht

550 kg
Glocke 6

Gussjahr

1319

Schlagton

e 2+1

Durchmesser

76,3 cm

Gewicht

300 kg
Glocke 7

Gussjahr

vor 1300

Durchmesser

68 cm
Glocke 8

Gießer

Jörg Glopitscher

Gussjahr

1471

Schlagton

gis 2+4

Durchmesser

55,7 cm

Gewicht

112 kg
Glocke 9

Gießer

Joh. G. Schelchshorn

Gussjahr

1689

Schlagton

fis 2+10

Durchmesser

53,6 cm

Gewicht

90 kg
Glocke 10

Gussjahr

vor 1300

Schlagton

d 3

Durchmesser

44 cm
Glocke 11

Gussjahr

1690

Schlagton

gis 3

Durchmesser

30 cm

Gewicht

15 kg
Glocke 12

Gießer

Rudolf Perner

Gussjahr

1999

Schlagton

d 2+1

Durchmesser

72,9 cm

Gewicht

238 kg

 

 

b) Das Chor- bzw. Zimbelgeläute aus dem Jahr 2000

Zum Altbestand bildet das Chorgeläute einen bemerkenswerten Kontrapunkt. Es ist eines der ganz wenigen Klein- bzw. Zimbelgeläute Österreichs. Die schwerrippigen Glocken erstrahlen in unerwarteter Klangfülle und Wärme. Die Zimbeln umfassen alle acht Töne der C-Dur-Tonleiter. Durch die präzise Schlagtonlinie und die genauen Innenharmonien sind eine Unzahl von Kombinationen möglich. Die Instrumente zieren Bilder, die die Anrufung und die sieben Bitten des "Vater unser" illustrieren, sowie die Namen der Stifter. Das Chorgeläute ruft die Chorherren dreimal am Tag zum Chorgebet in das Oratorium. In der Nähe dieses Gebetsraumes befindet sich auch die Glockenstube mit dem Eichenholzstuhl, in dem die Kleinglocken im Gesamtgewicht von 1384 kg an Jochen aus Eiche aufgehängt sind.

 

 

 

Glocke 1

Glocke 2

Glocke 3

Glocke 4

Gießer

alle Glocken Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei, Rudolf Perner

Gussjahr

20.06.200020.06.200014.07.200014.07.2000

Schlagton

c 2+0 d 2-1e 2-2f 2+1

Durchmesser

76,8 cm72,3 cm66,5 cm62,7 cm

Gewicht

320 kg268 kg223 kg178 kg

 

Glocke 5

Glocke 6

Glocke 7

Glocke 8

Gussjahr

14.07.200014.07.200014.07.200014.07.2000

Schlagton

g 2+0a 2-1h 2-1c 3+2

Durchmesser

57,1 cm51,1 cm47,0 cm44,6 cm

Gewicht

146 kg102 kg82 kg64 kg

Gießer: alle Glocken Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei, Rudolf Perner

Glocke 1

Gussjahr

20.06.2000

Schlagton

c 2+0

Durchmesser

76,8 cm

Gewicht

320 kg
Glocke 2

Gussjahr

20.06.2000

Schlagton

d 2-1

Durchmesser

72,3 cm

Gewicht

268 kg
Glocke 3

Gussjahr

14.07.2000

Schlagton

e 2-2

Durchmesser

66,5 cm

Gewicht

223 kg
Glocke 4

Gussjahr

14.07.2000

Schlagton

f 2+1

Durchmesser

62,7 cm

Gewicht

178 kg
Glocke 5

Gussjahr

14.07.2000

Schlagton

g 2+0

Durchmesser

57,1 cm

Gewicht

146 kg
Glocke 6

Gussjahr

14.07.2000

Schlagton

a 2-1

Durchmesser

51,1 cm

Gewicht

102 kg
Glocke 7

Gussjahr

14.07.2000

Schlagton

h 2-1

Durchmesser

47,0 cm

Gewicht

82 kg
Glocke 8

Gussjahr

14.07.2000

Schlagton

c 3+2

Durchmesser

44,6 cm

Gewicht

64 kg