News aus dem Stift

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Sensationsfund: Zwei neue Fragmente der Riesenbibel von St. Florian entdeckt
SANKT FLORIAN. Bei der großen „Abstaubaktion“ im Sommer 2018 führte Stiftsbibliothekar Friedrich Buchmayr mit dem Kleriker Clemens Kafka Reinigungs- und Ordnungsarbeiten im Archiv und in der Bibliothek des Stiftes St. Florian durch. Dabei stießen die beiden Germanisten völlig überraschend auf zwei neue Fragmente der Riesenbibel.
Das erste Fragment diente als Einband für eine Archivhandschrift der Pfarre Schöndorf (Vöcklabruck) aus dem Jahr 1594 und enthält eine Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (Röm 15,4–16,7).

„Die Überprüfung des Layouts gab den entscheidenden Hinweis auf die Riesenbibel“, sagt Friedrich Buchmayr. „Der Text ist sowohl im Codex als auch beim Fragment auf zwei Spalten mit 45 Zeilen pro Seite aufgeteilt, die jeweils 15 cm breit und 48 cm hoch sind.“

Das zweite Fragment mit dem Beginn des Buchs der Psalmen fand sich als Einband auf einem Predigtbuch aus dem Jahr 1601. „Der Band ist mir wegen der schön verzierten D-Initiale sofort aufgefallen“, erzählt Clemens Kafka. Die weitere Untersuchung ergab, dass der Buchbinder mithilfe eingeritzter Linien das Riesenbibelblatt so zum Einband faltete, dass die farbenfrohe Initiale genau auf dem Vorderdeckel zu liegen kam. Viele grüne Ranken mit roten Seitentrieben und einer großen Anzahl verschiedenfarbiger Knollen, Blätter und Blüten umspielen den Buchstaben D. Friedrich Buchmayr und Clemens Kafka konnten eine verwandte D-Initiale im vorhandenen Band der Riesenbibel auffinden und so den ersten Nachweis für die Zugehörigkeit des Fragments erbringen.

Die wissenschaftliche Überprüfung, ob die beiden Fragmente tatsächlich zur St. Florianer Riesenbibel gehören, war zeitaufwendig und nahm mehrere Monate in Anspruch. Von den vielen verschwundenen Blättern sind im Laufe der Jahrhunderte bisher nur zwei Fragmente in Linz (OÖ. Landesbibliothek) und in Wien (Österreichische Nationalbibliothek) aufgetaucht. Die beiden neuen Fragmente kamen ebenso wie die zwei schon bekannten um 1600 als Einbandmaterial in Verwendung. Es war nicht unüblich, dass Teile mittelalterlicher Handschriften für Einbände und Ausbesserungen neuerer Bücher herangezogen wurden. Dass auch die kostbare Riesenbibel nicht von dieser Recyclingaktion verschont geblieben ist, führt Stiftskustos Harald R. Ehrl auf die Geringschätzung dieses alten Bibeltypus infolge der Reformation und des Medienwechsels von der Handschrift zum gedruckten Buch zurück.

Größte mittelalterliche Handschrift Österreichs
Die Riesenbibel von St. Florian gilt mit ihren enormen Maßen (66 x 48 cm) als größte mittelalterliche Handschrift Österreichs. Das prunkvoll ausgestattete Werk wurde um 1140/50 im eigenen Skriptorium angefertigt. „Größe und Umfang der Bibel zeigen, welch hohe Bedeutung das Wort Gottes für die Chorherren nach der Reform von 1071 hatte“, erläutert Stiftskustos Harald R. Ehrl. Ursprünglich dürfte die Riesenbibel drei Bände mit allen Büchern des Alten und Neuen Testaments umfasst haben. Erhalten blieb allerdings nur ein Einzelband.

Aus diesem Anlass zeigt das Stift St. Florian die Riesenbibel, die sonst nicht zu sehen ist. Am Sonntag, 30. Juni 2019 um 16 und 18 Uhr, Treffpunkt im Stiftshofhof beim Adlerbrunnen. Die Führung begleitet Kustos Harald R. Ehrl. Weiters sind die neu entdeckten Fragmente im Rahmen der Stiftsführungen ab sofort bis Ende August 2019 im Hauptsaal der Stiftsbibliothek zu sehen. Stiftsführungen für Individualbesucher finden täglich um 11, 13 und 15 Uhr statt.

Abstaubaktion auch im Sommer 2019
Im Laufe des Sommers 2018 konnten alle Bücher im schwer zugänglichen Galeriebereich und mehr als ein Drittel der übrigen Bücher gereinigt und begutachtet werden. Auch diesen Sommer geht die große Reinigungsaktion mit dem Abstauben der Bücher weiter. Vergangenes Jahr wurden schon 15.000 Bücher im Hauptsaal der Stiftsbibliothek gereinigt, unter anderem mit der Unterstützung von Landestheaterschauspieler Gerhard Brössner. Bei rund 1500 Bänden waren Schäden festzustellen – dies waren hauptsächlich Licht- und Wärmeschäden aus vergangenen Zeiten, da kein Sonnenschutz an den Fenstern angebracht war. Erfreulicherweise fand sich kein aktiver Nagekäferbefall („Bücherwurm“).

Die Buchrestaurierungen können durch Spenden oder eine Buchpatenschaft unterstützt werden. Dazu kann folgendes Konto benutzt werden: Bundesdenkmalamt, 1010 Wien
IBAN AT07 0100 0000 0503 1050
BIC: BUNDATWW
und unbedingt unter Verwendungszweck „A33“ angeben.

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"Struktur – Symbol – Bild"
Neue Werke von Gertraud Allerstorfer im Stift St. Florian

Der vieldeutige Titel der Ausstellung lässt es schon erahnen – die neuen Werke der Feldkirchner Malerin Gertraud Allerstorfer lassen sich nicht klar eingrenzen. Müssen sie auch gar nicht, wie Augustiner Chorherr Ferdinand Reisinger betreffend das künstlerische Schaffen von Allerstorfer einmal bemerkte: Die Kunst von Gertraud Allerstorfer hat nichts Krampfhaftes in sich, die Bilder sind keine aufgelösten Rätsel, sie sind in einem guten Sinn voll von Geheimnis. Das Geheimnis zeigt sich beispielsweise im Material, das zu Acryl und Leinwand hinzukommt – abgestorbene Rinde, ein Fetzen Pappe oder ein Stück Kindheitserinnerungen. Das Material gibt den Werken Struktur, nicht nur in einem oberflächlichen Sinn – es lädt die Bilder auch mit Symbolik auf.

Die Ausstellung im Zweiten Stock des Stiftes ist von 27. April bis Mitte Juni 2019 besichtigen.

Kirchenmusikprogramm 2019:
Hier finden Sie das Kirchenmusikprogramm 2019 in digitaler Form.


Stiftszeitung
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