News aus dem Stift

Hier finden Sie alle Neuigkeiten aus dem Stift St. Florian!

1. Predigt zum Palmsonntag von Generalabt Johann Holzinger

„Wir Esel“ – Eine Ehrenrettung

Die Italiener legen großen Wert auf Fahnen. Nicht nur im öffentlichen, sondern auch im privaten Bereich. Als beim ersten Irakkrieg befürchtet wurde, dass ein weltweiter Flächenbrand draus werden könnte, hängten die Italiener erstmals von den Balkonen und aus den Fenstern Fahnen in den Farben des Regenbogens mit der Aufschrift „PACE“ – Frieden. Wo dieses Land jetzt durch die vielen Toten und das Chaos in den Spitälern so sehr hergenommen ist, wurden diese Fahnen hervorgeholt und wieder aufgehängt, viele davon mit der neuen Aufschrift „andra’ tutto bene “ – „alles wendet sich zum Guten, alles geht gut!“

Wir hoffen das für Italien und auch für uns, wo wir doch versuchen, der Heimtücke des Corona-Virus zu entkommen. Es ist auch wichtig, sich nicht in die Angst hineinjagen zu lassen und nicht der Panik- und Miesmache zu erliegen. Vielleicht wird auch uns das Leid dieser Krankheit auferlegt. Niemand weiß das. Ein wenig fürchten wir uns, vielleicht überwiegt die Hoffnung.

Die Maßnahmen der Einschränkung werden uns noch einige Wochen begleiten. So gehen wir durch diese vorösterliche Zeit. Sie erfährt durch das Geschehen des Palmsonntags und der Karwoche eine besondere Verdichtung. Schließlich wollen wir Ostern feiern. Auch wenn wir das nicht öffentlich und in großer feiernder Gemeinschaft tun können. Unser Bischof Manfred wird das stellvertretend für viele in der Kapelle des Linzer Priesterseminars tun. Wir sind eingeladen, die Feiern via Medien mitzuverfolgen.

Das Tor zur Heiligen Woche öffnet sich mit dem Palmsonntag. Manchmal sehe ich Parallelen: Papst Franziskus wurde schon bei Staatsbesuchen in einem weißen Kleinwagen gesehen, der sich zwischen dicken schwarzen Limousinen dahinbewegte. Jesus reitet nicht hoch zu Ross in Jerusalem ein, sein Wappentier ist der Esel, näherhin eine Eselin. Mit herrschaftlichem Anspruch „der Herr braucht sie“ lässt er sie von den Aposteln requirieren, um darauf in „seine Stadt“ einzuziehen. Esel werden als störrisch angesehen. In der Geschichte von Bileam im Ersten Testament schaut das aber nur so aus, als ob der Esel seine Wege gehen wolle und durch nichts davon abzubringen sei. Er sieht, was sein Reiter noch nicht sieht, nämlich dass ihm der Engel Gottes den Weg versperren will, damit kein Unrecht passiert.

Der Esel ist ein friedliches Wesen. Er spielt im Leben Jesu auch gleich bei der Geburt eine Rolle. Mit dem Ochsen ist er auf jeder Krippendarstellung. Genauso hat der Esel eine „tragende“ Rolle bei der Flucht nach Ägypten. Jetzt ist der Esel Friedenssymbol: friedlichere Absichten kann niemand haben als Jesus, der sein Leben für uns hingeben will. Der mit seinem Gang nach Jerusalem und ans Kreuz den Hass aus dem Weltgeschehen nehmen will, der damit sein Leben, das er „FÜR UNS“ lebt, zur Vollendung und zum Höhepunkt führen will.

Jesu Wort: „Der Herr braucht sie/ihn“ können wir auf uns umlegen. WIR werden jetzt gebraucht! Jetzt können wir mit dem Motto „schau auf dich – schau auf mich!“ Leben retten, Leben schützen: durch Abstandhalten, durch „auf die anderen schauen“, über den Zaun dem älteren Nachbarn zurufen: „brauchst was?“ Noch nie war das so, dass wir Nächstenliebe zeigen konnten, indem wir anderen „aus dem Weg“ gehen. Wir sind es jetzt, die von Jesus gebraucht werden, dass +ER in die Welt getragen wird: sein „für uns“, sein Dienst der Fußwaschung, sein Vertrauen, dass der Vater ihn nicht im Tod belässt.

Die derzeitige Situation, auch mit den Einschränkungen und mit den Folgen, vielleicht in einem halben Jahr, lässt uns „anders“ in diese Karwoche hineingehen, nicht so oberflächlich: „wird schon gutgehen“, sondern mit dem tiefen Vertrauen auf den Herrn, der durch das alles auch FÜR UNS – damit wir leben – hindurchgegangen ist. Deshalb können wir aus vollem Herzen sagen: „Alles wird gut!“

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2. Predigt zum Palmsonntag von Generalabt Johann Holzinger

Leiden: immer noch!

Wir haben das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Matthäus gehört. Merken wir, wie sich das anhört? Wir haben das Leiden gehört …  Leidensgeschichten haben wir ja nicht zu wenige im Haus. Auf Leidensgeschichten sind wir trainiert. Die von draußen kommen ja derzeit weniger an unser Ohr. Oder doch: wie die Menschen zu Hunderten sterben. Welche Leidensgeschichten sind in den zahllosen Särgen jetzt unter dem Deckel? Da ist auch der Pilger, der zwei Wochen bei uns war und jetzt bei den Barmherzigen Brüdern ist. Was wird mit ihm werden? Ein weiterer Mensch hat angesucht, bei uns Aufnahme zu finden. Derzeit können wir niemand aufnehmen. Dann die Leidensgeschichten der Wirtschaft, des Handels, des Tourismus.

Es wird noch viel Leiden offenbar werden, bis wieder alles „normal“ läuft. Bis dahin werden wir aber noch an den Einschränkungen leiden, damit wir nicht selber fahrlässig, gedankenlos, Leiden vermehren.

Sich Leidensgeschichten anzuhören oder selber drinzustehen, ist nicht leicht. Lieber stehen wir an der Sonnenseite des Lebens. Beim Spazierengehen durch den Frühling kommen mir immer wieder die Vielen in den Sinn, die jetzt vielleicht zu fünft in einer Wohnung leben, die möglicherweise nicht größer ist als unsere Zimmer.

Schauen wir zurück auf die Leidensgeschichte Jesu: Wie viele von denen, die ihm am Palmsonntag zugejubelt haben, schauen und hören sich wohl sein Leiden am Karfreitag an? Oder, noch schlimmer: Wie viele der bei seinem Einzug in Jerusalem noch jubilierenden Schaulustigen stehen vielleicht sogar am Rand und sagen: „Recht geschieht ihm!“ Einfach, um zur Mehrheit zu gehören? Oder ist das am Karfreitag ein völlig anderes Publikum?

Er, Gottes Sohn, hatte sich selbst viele Leidensgeschichten angehört. Die Menschen sind in Scharen zu ihm geströmt. Sie haben ihn mit ihren Leiden konfrontiert und waren voller Hoffnung auf Heilung. Schon da hat er Mitleid gezeigt; nun leidet er selbst. Wer leidet nun mit ihm mit? Das Leid gehört zum Leben dazu. Jesus gibt keine Antwort auf die Frage nach dem Warum. Aber er gibt doch eine Antwort auf das Leiden selbst: Sie heißt Mit‑Leid. Er leidet selbst. Er leidet mit allen Menschen, die leiden müssen. Er hört ihr Leiden. Im Leiden ist er da. Bis heute!

Auch wir tun gut daran, nicht nur an Palmsonntag und Karfreitag das Leiden zu hören. Es mag uns einiges an Überwindung kosten, uns den Leidensgeschichten unserer Mitmenschen aussetzen. Doch: In ihnen werden wir Christus begegnen.

Es geht nicht darum das Leiden zu suchen oder in einer Leidensverliebtheit den Weltschmerz nachzuhängen. Auch nicht um den Hass auf das Leben, das einem auch vieles entzieht, nicht um unsere Verluste, um die eigene Selbstvernichtung, sondern um Verzicht, auf verkrampftes Absichern, um den Verzicht sich für die Achse der Welt zu halten, das Rotieren um die eigene Person. Es geht um den anderen, um Jesu willen. Nur so werden wir uns verändern. Eine Voraussetzung, dass sich die Welt ändert nach diesem Corona-Leiden. Auch wenn es derzeit viel Zusammenhalt gibt, wird es schwierig bleiben, die Welt zu ändern, den Hass, nie Gier, die Angst ums Klopapier, den Krieg und den menschenverachtenden Zynismus zu durchbrechen. Dass die Nachfolge Jesu der einzige Weg ist, wird an einem Wort von Solschenizyn aus seinem Roman „Krebsstation“ deutlich. Er sagt: „Wir haben uns eilfertig umgestellt und dachten, es genügt, die Produktionsweise zu ändern – und dann ändern sich die Menschen. Aber den Teufel! Kein bisschen haben sie sich geändert.“

Über der Notwendigkeit, die Wirtschaft wieder hochzufahren, damit Menschen wieder hoffen können, wird es schwierig, sich aus den alten Fahrwassern herauszuhalten, und nicht nur das Wachstum hochzupeitschen. Ob etwas anders wird zukünftig, wird damit zu tun haben, wie wir auf das Leiden damals und die Leiden heute hören und daraus einen anderen Gewinn ziehen.

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Liebe Mitmenschen!

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Auswirkungen des Coronavirus sind bereits sehr einschneidend und werden täglich adaptiert.
Nächstenliebe heißt jetzt in dieser Zeit, dass wir gegenseitig darauf schauen, uns die Gesundheit zu bewahren!
Besonders trifft es die Gläubigen, dass derzeit keine öffentlichen Gottesdienste gefeiert werden können. Die Bischöfe weisen auf die Möglichkeiten hin, in den Medien mitzufeiern und sich im Gebet zuhause anzuschließen.
Die Kirchen sind aber für das Gebet offen.
In seelsorglichen Fragen bitten wir, die üblichen Wege ins Stift (Telefon, E-Mail) zu wählen.
Die Gemeinschaft im Stift betet dreimal am Tag. Wir feiern auch die Eucharistie weiterhin für die Gläubigen in unseren Pfarren und für die Welt, besonders auch für die Kranken und alle, die sie pflegen.
Unser Motto lautet „mit euch – für euch“. Das bekommt in dieser Zeit jetzt eine eigene Färbung. Wir halten den Kanal „nach oben“ offen. Wir tun das in Verbundenheit mit allen und stellvertretend. Wir stehen vor Gott ein für die Menschen und tun das.
Erinnern darf ich dabei auch an die kirchliche Gepflogenheit der „geistlichen Kommunion“, dass wir in Kontakt sein können mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus, mit seiner Lebendigkeit, seiner Heilkraft und mit seinem Geist.
Im Vertrauen darauf und in Verbundenheit miteinander, werden wir auch diese Zeit bestehen. Wir dürfen für unser gläubiges Leben darauf hören, was uns als Christen, als Welt mit dieser Herausforderung gesagt sein soll!
Diese Hoffnung wünschen Ihnen allen die Florianer Chorherren, und die Gewissheit, auch in dieser Zeit zu bestehen zu können und möglichst gesund zu bleiben. im Fall von Krankheit wünschen wir Ihnen die Kraft, bald wieder ganz gesund zu werden.
+J. Holzinger
  Propst des Stiftes St. Florian

„Denn Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2 Tim 1,7)

 

Kirchenmusikprogramm 2020:

Hier finden Sie das Kirchenmusikprogramm 2020 in digitaler Form.

Sensationsfund: Zwei neue Fragmente der Riesenbibel von St. Florian entdeckt
SANKT FLORIAN. Bei der großen „Abstaubaktion“ im Sommer 2018 führte Stiftsbibliothekar Friedrich Buchmayr mit dem Kleriker Clemens Kafka Reinigungs- und Ordnungsarbeiten im Archiv und in der Bibliothek des Stiftes St. Florian durch. Dabei stießen die beiden Germanisten völlig überraschend auf zwei neue Fragmente der Riesenbibel.
Das erste Fragment diente als Einband für eine Archivhandschrift der Pfarre Schöndorf (Vöcklabruck) aus dem Jahr 1594 und enthält eine Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (Röm 15,4–16,7).
„Die Überprüfung des Layouts gab den entscheidenden Hinweis auf die Riesenbibel“, sagt Friedrich Buchmayr. „Der Text ist sowohl im Codex als auch beim Fragment auf zwei Spalten mit 45 Zeilen pro Seite aufgeteilt, die jeweils 15 cm breit und 48 cm hoch sind.“
Das zweite Fragment mit dem Beginn des Buchs der Psalmen fand sich als Einband auf einem Predigtbuch aus dem Jahr 1601. „Der Band ist mir wegen der schön verzierten D-Initiale sofort aufgefallen“, erzählt Clemens Kafka. Die weitere Untersuchung ergab, dass der Buchbinder mithilfe eingeritzter Linien das Riesenbibelblatt so zum Einband faltete, dass die farbenfrohe Initiale genau auf dem Vorderdeckel zu liegen kam. Viele grüne Ranken mit roten Seitentrieben und einer großen Anzahl verschiedenfarbiger Knollen, Blätter und Blüten umspielen den Buchstaben D. Friedrich Buchmayr und Clemens Kafka konnten eine verwandte D-Initiale im vorhandenen Band der Riesenbibel auffinden und so den ersten Nachweis für die Zugehörigkeit des Fragments erbringen.
Die wissenschaftliche Überprüfung, ob die beiden Fragmente tatsächlich zur St. Florianer Riesenbibel gehören, war zeitaufwendig und nahm mehrere Monate in Anspruch. Von den vielen verschwundenen Blättern sind im Laufe der Jahrhunderte bisher nur zwei Fragmente in Linz (OÖ. Landesbibliothek) und in Wien (Österreichische Nationalbibliothek) aufgetaucht. Die beiden neuen Fragmente kamen ebenso wie die zwei schon bekannten um 1600 als Einbandmaterial in Verwendung. Es war nicht unüblich, dass Teile mittelalterlicher Handschriften für Einbände und Ausbesserungen neuerer Bücher herangezogen wurden. Dass auch die kostbare Riesenbibel nicht von dieser Recyclingaktion verschont geblieben ist, führt Stiftskustos Harald R. Ehrl auf die Geringschätzung dieses alten Bibeltypus infolge der Reformation und des Medienwechsels von der Handschrift zum gedruckten Buch zurück.
Größte mittelalterliche Handschrift Österreichs
Die Riesenbibel von St. Florian gilt mit ihren enormen Maßen (66 x 48 cm) als größte mittelalterliche Handschrift Österreichs. Das prunkvoll ausgestattete Werk wurde um 1140/50 im eigenen Skriptorium angefertigt. „Größe und Umfang der Bibel zeigen, welch hohe Bedeutung das Wort Gottes für die Chorherren nach der Reform von 1071 hatte“, erläutert Stiftskustos Harald R. Ehrl. Ursprünglich dürfte die Riesenbibel drei Bände mit allen Büchern des Alten und Neuen Testaments umfasst haben. Erhalten blieb allerdings nur ein Einzelband.
Aus diesem Anlass zeigt das Stift St. Florian die Riesenbibel, die sonst nicht zu sehen ist. Am Sonntag, 30. Juni 2019 um 16 und 18 Uhr, Treffpunkt im Stiftshofhof beim Adlerbrunnen. Die Führung begleitet Kustos Harald R. Ehrl. Weiters sind die neu entdeckten Fragmente im Rahmen der Stiftsführungen ab sofort bis Ende August 2019 im Hauptsaal der Stiftsbibliothek zu sehen. Stiftsführungen für Individualbesucher finden täglich um 11, 13 und 15 Uhr statt.
Abstaubaktion auch im Sommer 2019
Im Laufe des Sommers 2018 konnten alle Bücher im schwer zugänglichen Galeriebereich und mehr als ein Drittel der übrigen Bücher gereinigt und begutachtet werden. Auch diesen Sommer geht die große Reinigungsaktion mit dem Abstauben der Bücher weiter. Vergangenes Jahr wurden schon 15.000 Bücher im Hauptsaal der Stiftsbibliothek gereinigt, unter anderem mit der Unterstützung von Landestheaterschauspieler Gerhard Brössner. Bei rund 1500 Bänden waren Schäden festzustellen – dies waren hauptsächlich Licht- und Wärmeschäden aus vergangenen Zeiten, da kein Sonnenschutz an den Fenstern angebracht war. Erfreulicherweise fand sich kein aktiver Nagekäferbefall („Bücherwurm“).
Die Buchrestaurierungen können durch Spenden oder eine Buchpatenschaft unterstützt werden. Dazu kann folgendes Konto benutzt werden: Bundesdenkmalamt, 1010 Wien
IBAN AT07 0100 0000 0503 1050
BIC: BUNDATWW
und unbedingt unter Verwendungszweck „A33“ angeben.


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