News aus dem Stift

Hier finden Sie alle Neuigkeiten aus dem Stift St. Florian!

Stellenausschreibung

Zur Verstärkung unseres Teams suchen wir mehrere Personen für die
Ausstellungsaufsicht (m/w/d | 16 Stunden pro Woche) Dienstbeginn: 1. Mai 2021/1. Juni 2021. Die vollständige Ausschreibung finden Sie hier.

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Gedenkgottesdienst


Am 20. April 2021 um 19.00 Uhr findet ein Gedenkgottesdienst zum ersten Todestag von Hermann Scheinecker, CanReg statt. Die musikalische Gestaltung übernimmt Klaus Sonnleitner, CanReg.

Der Gottesdienst wird live übertragen: https://youtu.be/312wH6fJSzY

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Das Stift St. Florian trauert um Prälat Wilhelm Neuwirth

Kommerzialrat Prälat Wilhelm Neuwirth, emeritierter Propst des Augustiner Chorherrenstiftes Sankt Florian und emeritierter Generalabt, ist am Samstag, 13. Februar 2021, im 80. Lebensjahr im Ordensklinikum Linz Elisabethinen verstorben. Das Requiem vom Samstag, 20. Februar 2021 können Sie unter folgendem Link nachsehen: https://youtu.be/NyyzwblqfHc
Die Ansprache von Propst Johann Holzinger können Sie hier nachlesen.

Wilhelm Neuwirth wurde am 12. März 1941 in Linz geboren, Enns jedoch war seine Heimat. Die historische Stätte des Martyriums des heiligen Florians hat ihn geprägt. Nach abgelegter Matura in Wilhering trat er im Jahr 1960 im Stift St. Florian zusammen mit 6 Kandidaten ein. Das Theologiestudium absolvierte er in Salzburg und in der Hauslehranstalt des Stiftes. Am Festtag des Heiligen Florian, am 4. Mai 1966 wurde er zum Priester geweiht. Nach Kaplansposten in Ried i.d. Riedmark und Vöcklabruck wurde er 1972 Pfarrvikar in Linz-Kleinmünchen.

 Nach dem unerwarteten Tod von Propst Dr. Johannes Zauner wurde er von den Mitbrüdern im Jahr 1977 im Alter von 36 Jahren zum 56. Propst des Stiftes St. Florian gewählt. Von 1982 bis 1992 übernahm er den Vorsitz der Konferenz der Männerorden in der Diözese Linz. In diözesanen Diensten hat er mit anderen den Arbeitskreis „Christ und Wirtschaft“ aufgebaut und dort 20 Jahre mitgearbeitet, auch andere Aufgaben in der Diözese Linz begleiteten ihn ein Leben lang. Von der Augustiner Chorherrenkongregation Österreich wurde er 1987 zum Generalabt gewählt und hat diesen Dienst bis 2002 ausgeübt.

Stift Sankt Florian war Neuwirth immer Auftrag und Freude

Neben den vielen pastoralen und wirtschaftlichen Aufgaben war ihm das Stift mit seiner spirituellen, kulturellen, wirtschaftlichen und überregionalen Bedeutung immer Auftrag und Freude. In den 90er Jahren wurde die Stiftskirche und die große Bruckner-Orgel restauriert, das Sängerknabeninstitut saniert und auf neue Beine gestellt, das ehem. Stiftsspital an die Lebenshilfe übergeben und die Stiftskirche 1999 zur Basilika erhoben. In seine Zeit als Propst fallen auch die großen Landesausstellungen „Welt des Barock“ 1986 und „Vom Ruf zum Nachruf. Anton Bruckner“ 1996.

Zusätzlich zu seinen tagtäglichen Aufgaben und Anforderungen als Propst von St. Florian und als Generalabt versah er immer auch seelsorgliche Dienste in den Florianer Stiftspfarren, u.a. auch als Pfarrprovisor in Hargelsberg.

2005 resignierte er als Propst und war seit dieser Zeit als Seelsorger in der Pfarre Ansfelden tätig. In diese Zeit fällt auch die außerordentliche Sanierung des großen Pfarrhofes dieser Pfarre.

Prälat Neuwirth war Träger des Verdienstzeichens und der Kulturmedaille des Landes Oberösterreich und Ehrenbürger von Sankt Florian bei Linz.

In den letzten Wochen nahm seine Erkrankung sehr rasch ernste Züge an. Nach anfänglicher Hoffnung war der Abschied für alle sehr plötzlich und überraschend.

Am Freitag, 19. Februar 2021 wird der Verstorbene von 10 bis 18 Uhr in der Basilika aufgebahrt, dort besteht die Möglichkeit, persönlich von ihm Abschied zu nehmen.

Das Begräbnis findet am Samstag, 20. Februar 2021 in der Basilika des Stiftes statt. Den Corona-Bestimmungen folgend bitten die Angehörigen und der Konvent des Stiftes von einer Teilnahme abzusehen. Anschließend erfolgt die Beisetzung am Priesterfriedhof des Stiftes.

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Predigt vom 8. Dezember 2020 von Generalabt Johann Holzinger

Gottes Plan: Leben – fürchte dich nicht!

Vielleicht haben Sie das auch schon einmal ratlos gesagt: ich habe keinen Plan! Ich kenne mich nicht mehr aus. Mir ist ein lieber Mensch abhandengekommen. Ich weiß nicht, wie, nicht wohin; ich halte mich nicht aus. Ich sehe nicht weiter. Das Leben hat mir meinen Plan zerschlagen.

Es ging schon Adam und Eva so. Gott fand die beiden ganz toll. So müsste es sein! Gott gab ihnen alles, was sie brauchten, sie beide einander. Adam sagte: Ja, endlich, genauso! Rundum von einem Paradiesgarten umgeben. Aber dann war es gleich nicht genug. Es muss mehr geben, als das, was Gott gibt. Die Schlange kommt dazu und verlockt sie. Die Schlange - im hebräischen Text männlich - ist in Ägypten Symbol für Glück und Segen im Leben. Hier verstanden als die Versuchung, alles sich selbst zu beschaffen und sich nichts von Gott schenken zu lassen. Da sind sie schon weg von Gott und nur bei sich selber. Unterstellungen und Misstrauen kommen dazu. Siehe da, auf einmal ist der Blick nicht mehr auf die Fülle gerichtet, die den Menschen gegönnt ist, sondern auf das, was sie nicht dürfen. Da wird der überreich beschenkende Gott zu einem, der durch das eigene Wirken ersetzt werden soll. Und von da an verkehrt sich alles: statt weise zu werden und alles zu erkennen, spüren sie sich nackt. Sie machen sich etwas vor; statt wie Gott dazustehen, können sie nicht einmal zu sich selbst stehen, sondern sagen: der andere war es. Alles, was gut war in Beziehungen, verkehrt sich: zwischen Tier und Mensch Feindschaft; zwischen den Menschen Herrschaft, Macht und Mühsal; im Hinblick auf die Erde Schweiß und Mühsal; Gott wird zum Gegner, der Garten ist zu, die Menschen Vertriebene und Getriebene.

Wo der Mensch Gott werden will, geht er aufeinander los. Davor waren auch Christen nicht sicher. Es waren die christlichen Herrscherhäuser in Europa, die im Ersten Weltkrieg zur gegenseitigen Vernichtung ins Feld gezogen sind. Ohne Gott wurden die Gräuel grenzenlos unsinnig, in der Französischen Revolution, zwischen 1933 und 1945, oder in Russland.

Jetzt haben wir das Virus, unglaublich viel Plastik im Meer, die Erde kommt ins Schwitzen, immer mehr Regierende lassen sich absegnen, dass nicht das Recht ganz oben ist, sondern politische Willkür und sie nur auf sich selbst schauen müssen.

Alles das, wo Menschen Unsinn machen, unter dem andere leiden, und der sich wie ein Virus ausbreitet, nennen wir Erbsünde. Das ist dieser befremdliche Ausdruck. Nicht die einzelne Tat, die Sünde ist. Aber was Bosheit, Oberflächlichkeit, Ignoranz anrichten, wozu der Mensch fähig ist, wenn er sich nicht unter die Ordnung Gottes stellt!

Das war nicht der Plan Gottes. Darum hat er sich immer wieder einen neuen ausgedacht. Nachdem sie immer wieder meinten, es selber besser zu können und gescheitert sind, hat Gott liebend an Maria gedacht. Heute ist der Tag, wo sie entstanden ist. Wir feiern ihre Zeugung. Gott wollte frisch, ganz von vorn beginnen, ohne das alles, was ungut werden könnte. Gott wusste, er musste sie herausnehmen aus dem ganzen Geflecht des Bösen und ihr einfach nur alles Gute mitgeben, so wie Adam und Eva am Anfang. In ihr hat er unwiderruflich sein JA zum Menschen gesagt.

So wurde sie eines 08. Septembers geboren, wie wir glauben. Sie wuchs heran bei ihren Eltern Joachim und Anna. Gott ging bei ihr sehr früh daran, seinen Plan fortzusetzen. Damit er nicht mit der Tür uns Haus fällt, schickt er den Erzengel Gabriel. Aber der löst noch genug Schrecken aus. Auch deshalb, damit wir heute sehen, wie Gott seinen Plan wahr macht: „Fürchte dich nicht!“

Maria wird gern als die demütig unterwürfige Magd dargestellt. Das ist den Männern immer noch sehr recht. Aber schauen wir auf ihre Reaktion: sie nimmt nicht einfach hin. Sie fragt nach, sie möchte verstehen, sie lässt nicht passiv mit sich etwas machen. Sie denkt selbständig.

Das Evangelium, das ja gar nicht vom heutigen Fest erzählt, das mit ihrem Anfang in ihrer Mutter Anna zu tun hat, das Evangelium berichtet von der Fortsetzung, wie Jesus entsteht. Und das ist so gestaltet wie die Berufungen der Propheten. Gott fährt nicht über sie drüber. Sie weiß, jetzt ist ihre Stunde, in der sie gefragt und gemeint ist. Ganz bewusst, nicht in einen Nebel hinein, gibt sie ihre Zustimmung. Sie will sich kraftvoll in den Dienst Gottes und seiner Sache stellen, wie die Propheten. Darum fühlen sich Frauen verstanden, immer schon und heute auch noch, mit denen Gott verschlungene Wege geht. Sie ist ihnen Vorbild an Stärke, Mut und Gottvertrauen.

Gott zeigt es uns an einer Frau, dass er nicht ansteht, wo menschlich nichts mehr geht. Das ist die Wende, glaubt es! Gott schaut nicht zu. Er greift rettend ein.

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Predigt vom 6. Dezember 2020 von Generalabt Johann Holzinger

Karikatur

Markus, der Evangelist hatte offenbar einen guten Riecher dafür, dass sein Evangelium „ankommen“, gelesen, gehört, verstanden werden würde. Auch moderne Werbung transportiert ihre Produkte durch Anklänge an Bekanntes, sodass die Botschaft besser verstanden werden kann.

Wenn zur Römerzeit jemand eine Nachricht verbreitete, die lautete: Evangelium vom Sohn Gottes, dann wussten die römischen Bürger, da hat ihnen der Kaiser eine wichtige Nachricht mitzuteilen. Evangelium heißt ja „Frohe Botschaft“, „gute Nachricht“. Offenbar wollten damals politische Führer noch Frohmachendes und Gutes verbreiten. Und der Kaiser ließ sich als Gott verehren. Also eine Nachricht von allerhöchster, göttlicher Wichtigkeit. Drüber gibt es nichts mehr!

Und darauf springt der Evangelist Markus auf! Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Durch die Einfügung von „Jesus Christus“ wird der Kaiser zur Figur, die karikiert wird, aber durch den Anspruch, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, rutscht ihm der Evangelist ganz nahe. Prompt nahmen die Kaiser den Fehdehandschuh auf und wehrten sich mit Vernichtung gegen die Konkurrenz. Wie heute, wenn ein Konzern dem anderen einen gelungenen Werbegag stiehlt.

Das Evangelium ist also keine Geheimschrift für die Sakristei, sondern schon im ersten Satz wird die Öffentlichkeit angegangen und ihr Anspruch auf göttliche Verehrung, die nur dem +EINEN gebührt, karikiert und desavouiert.

Bereits dieser erste Satz hat eine derartige Bedeutungsschwere und –tiefe.

Dann beruft sich der Evangelist auf einen der größten aller Propheten, auf Jesaja. Er zitiert die Verse: „Ich sende meinen Boten vor dir her; Er soll den Weg für mich bahnen. Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen.“

Schaut man aber bei Jesaja nach, dann steht das dort gar nicht so. Aber nicht weil Markus schlampig abgeschrieben oder ungenau zitiert hat. Was für Markus der Ausgangspunkt des Evangeliums ist, steht einerseits so im Jesajabuch, zum Teil stammen die Verse aus dem Buch des Propheten Maleachi. Jesaja steht am Anfang des Prophetenbuches, Maleachi am Ende aller Prophetenbücher im Alten Testament. Wenn jetzt Markus auf beide zugleich anspielt, will er sagen: Alles, was Propheten je gesagt, was sie verheißen haben, steht hinter Jesus. Das ist das Fundament, auf dem Jesus steht. Also ganz auf dem Fundament der Hoffnung, des Trostes, dass Gott sein Volk aufnimmt und es trägt wie ein Hirte das Lamm an seiner Brust oder über den Schultern. Also nur Trost, nur Hoffnung.

Was Markus aber von Maleachi in den Anfang seines Evangeliums hineinnimmt, steht ganz am Ende dieses Prophetenbuches. Und dieses kleine Prophetenbuch steht wiederum ganz am Ende des Alten Testamentes. Da ist die Rede von einem, den Gott selber senden wird, der Menschen untereinander wieder versöhnt, dass sie es aushalten mit sich selbst und mit der Welt und miteinander und dass darum die Welt Bestand haben kann. So endet also das Alte Testament, ganz offen, ganz offen für den, der dann dieses Versprechen ganz erfüllt.

Menschen, die damals und heute die Bibel kennen, hören in den Maleachiworten auch noch etwas mitschwingen, nämlich wie Gott ganz am Anfang der Geschichte sein Volk aus dem Sklavenhaus Ägyptens in die Freiheit führt. Freiheit ist immer etwas Riskantes. Darum heißt es dort: „Ich werde dir einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe. – Ich selbst begleite dich durch meinen Boten auf dem Weg in die Freiheit.“ Mein Weg ist Freiheit, heißt das. Und: was Gott damals versprach, gilt noch immer, deshalb wollen die Schlussworte des Alten Testaments daran erinnern. Dass Gott treu ist, sich selber und uns. So konnte die Bibel wunderbar auf Jesus übergehen!

In den Worten aus Jesaja, die Markus benutzt, um den Boden für das Auftreten Jesu zu bereiten, ist noch ein Anklang die Zeit, wo dem Volk Israel zugesagt wird, dass mit dem babylonischen Exil, so sehr es für das Volk eine Katastrophe bedeutete, nicht alles verloren und verspielt war. Trotz aller Schuld, die dazu geführt hat, gibt es eine Heimkehr, einen neuen Anfang, weil Gott sich durch nichts und niemand, nicht einmal die Ablehnung gegen ihn, aufhalten lässt, zu tun, was er mit Abraham begonnen und seither nicht mehr aufgehört hat: mit Israel die ganze Welt wieder für sich zu gewinnen.

Alle diese Geschichten wurden von Markus in diese paar ersten Sätze seines Evangeliums hineingepackt. Damit die Menschen bei dem Neuen, das Jesus brachte, sich durch ihr Fundament bestätigt wissen konnten und nicht überfordert waren. Damit sie wissen und glauben konnten, dass sich in Jesus alles bestätigt, bekräftigt und besiegelt, was in der Schrift steht.

Das ist der Trost Gottes, den G.F. Händel so unvergleichlich in seinem Messias vertont hat: „Tröstet, tröstet mein Volk, dass der Frondienst zu Ende ist!“

Der Trost hat ein Fundament, da muss nicht viel geredet werden, das braucht ein paar Zeilen. Der Trost hat einen Namen: Jesus, der Retter, der Immanuel, der „Gott mit uns!“

Mit ihm kann alles, was uns durcheinanderbringt und ängstigt, bloße Karikatur bleiben.

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Predigt vom 29. November 2020 von Generalabt Johann Holzinger
Versicherungen
Es ist so, wie wir uns freuen, nachdem es draußen kälter wird, in die vertrauten wohlig wärmenden Wintersachen hineinschlüpfen zu können. Oder anders, wie freuen wir uns, wenn wir Richtung Sommer hin die warmen Socken nicht mehr brauchen und den Pullover in den Kasten tun können. So ähnlich wollten wir wieder mitsamt unseren Pfarrgemeinden in einen neuen Advent schlüpfen, mit den Bräuchen, uns rund um den Adventkranz zusammensetzen, ins Licht einer Kerze schauen, vielleicht doch einmal einem Moment der Stille nachhängen oder auch sich dicht gedrängt um einen Punschstand scharen, um miteinander Dunkel und Kälte aushalten.
Draus wird nichts. Das Dunkel und die Kälte überkommen uns ohne allem, was uns im Advent so lieb geworden ist, um dem allen standzuhalten. Wir sind daheim „angemalt“, alles ist eingeschränkt, Kontakte, Einkaufen, keine Weihnachtsfeiern. Wir sind ja nicht die, die sich um nichts scheren, die im Blindflug durch die Pandemie und privat fest feiern, ist ja eh nur wie eine Grippe.
Wie unbedarft wurde stets im Advent die „stillste Zeit“ beschworen, ohne dass jemals irgendwer etwas unternommen hätte, dass es tatsächlich still wird. Das geschah schon im Bewusstsein der Übertreibungen und der Maßlosigkeiten, die uns rundum umgeben und die wir zum Teil auch selber antreiben.
Jetzt sagt das Virus STOPP! Und wir glauben es immer noch nicht. Wir wehren uns gegen die Einschränkungen: das sehen wir nicht ein!
Aber das alles ist erst der Anfang! Wenn wir uns schon von Liebgewordenen verabschieden müssen, werden wir erst noch wahrnehmen müssen, dass uns die Sicherheiten aus den Händen geschlagen wurden: auch die Gewohnheiten, die Bräuche im Advent, was alles üblich, selbstverständlich war.
Das Evangelium hat offenbar auch keinen Trost: „Die Sonne wird sich verfinstern und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“ Dagegen sind alle Horror- und Katastrophenfilmszenarien fromme Lyrik oder Romantik. Da geht wirklich alles zugrunde.
Die erste Lesung aus dem letzten Teil des Buches Jesaja kommt mir vor wie ein Bericht zwischen zwei Lockdowns. So in der Stimmung, wir plagen uns, aber es wird nichts Rechtes draus. Eine resignative Atmosphäre breitet sich aus. „Wie ein Unreiner sind wir geworden, unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Wie Laub sind wir alle verwelkt, unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind“.
Bei Lukas lauten die Schilderungen der Katastrophen ähnlich. Aber da heißt es einmal: „Wenn das alles geschieht, dann erhebt euer Haupt, denn die Erlösung ist nahe.
An dieser Stelle erzählt Jesus im Markusevangelium das Gleichnis vom Feigenbaum. Das Aufblühen des Feigenbaums ist untrügliches Zeichen, und das versteht jeder, dass der Frühling kommt. Er ist nicht aufzuhalten. Da tut sich auch noch etwas anderes als nur Schlechtes, nämlich: +ER ist nahe vor der Tür. Auch wenn Himmel und Erde vergehen, seine Worte werden nicht vergehen.
Was sich wie ein völliger Zusammenbruch ausnimmt, bekommt mit der Erinnerung an den Feigenbaum eine überraschende Wendung zu Aufbruch und Neubeginn. Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Untergehendes ist Zeichen des Neuen, Segensvollen, Heilvollen, das kommt. Und es ist immer noch nicht genug untergegangen!
Der Herr selber ist in den Untergang hineingegangen. Bei ihm können wir uns anhängen, bei Jesus selbst, beim gekreuzigten Auferstandenen. Sein Geschick hat etwas zutiefst Adventliches, weil es bestätigt und beglaubigt. Wo menschlich das Ende kommt, ist Gott noch nicht fertig. Noch lange nicht.
In der Liturgie spielen wir das gleichsam durch mit dieser Botschaft vom Verwandelt werden zum Segen für alle durch das Zerbrechen alles Bestehenden hindurch, gerade heute am ersten Advent, weil wir in unserer und der Welt Glaubensgeschichte heute wieder einen neuen Anfang machen dürfen. Darum will uns das heute und der Kirche in dieser Welt, gesagt sein.
Wie sehr täte der Mut zum Sich verwandeln lassen der Kirche höchst Not, wo wir uns wie der Phönix aus der Asche aus so vielem herausheben möchten. Aber da ist die Angst vorm Fliegen. Auch die Angst vor dem Segen, vor der Gnade, vor dem Frieden, der daraus werden möchte, (2. Lesung!) Es wird uns versprochen, dass uns keine Gnadengabe fehlen wird. Er wird uns auch festigen, weil er treu ist. Darum brauchen wir keine Angst haben, so anfällig und hinfällig wir auch sind, bei allem, was uns jederzeit „erwischen“ kann. Dem, der zur Verwandlung bereit ist, sich aus-setzt, hin-gibt, her-gibt, dem ist der Segen verheißen. Segen für uns und für die anderen, für alle. Weniger wäre zu wenig. Üben wir diese Sendung ein, indem wir versuchen, einander Segen zu werden.

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Starkes Zeichen gegen Christenverfolgung: Das Stift St. Florian erstrahlt in Rot

Das Stift St. Florian setzt von Mittwoch, 18. November bis Sonntag, 22. November 2020 ein Zeichen gegen die weltweite Christenverfolgung. Deshalb erstrahlt das Kloster sowie die Stiftsbasilika in Rot, dies geschieht im Zuge der Initiative „Red Wednesday“ von „Kirche in Not“. Die Farbe steht für das Blut der getöteten Christen, denn Christ sein war noch nie so gefährlich wie heute. Mehr als 260 Millionen Christen sind aktuell von Verfolgung, Diskriminierung und Gewalt aufgrund ihres Glaubens weltweit betroffen.
„Religionsfreiheit ist ein ebenso grundlegendes Menschenrecht wie die Meinungsfreiheit und die Gewissensfreiheit, sie muss in allen Ländern der Welt geschützt sein. Deshalb ist es uns im Stift ein Anliegen, mit dieser starken Symbolik auf dieses Thema aufmerksam zu machen“, sagt Propst Johann Holzinger.
Weltweit werden seit dem Jahr 2015, von Brasilien über Kanada bis Australien, in Österreich seit dem vergangenen Jahr, Kirchen, Monumente, öffentliche Bauten rot beleuchtet, darunter das Kolosseum in Rom und die Christusstatue in Rio de Janeiro. In Wien das Parlament, der Stephansdom, viele Stifte und Pfarrkirchen.
„Da darf St. Florian, Grabmal des Landespatrons und des ersten Märtyrers unseres Landes, nicht fehlen. Der heilige Florian, der vor 1716 Jahren in der Enns den Tod durch Ertränken erlitt, ist nach wie vor hochaktuell für das Thema Christenverfolgung: Er tat nicht mit, als sich der Kaiser selbst gottähnliche Verehrung zuschrieb, er eilte solidarisch seinen Mitchristen, die gefoltert wurden, zu Hilfe. Er zeigte Zivilcourage, als es darum ging, dagegen aufzutreten“, sagt Propst Johann Holzinger. Diesen Bekennermut bezahlte der heilige Florian bekanntlich mit seinem Leben.

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Stiftszeitung

Die aktuelle Stiftszeitung FLORinside steht unter dem Motto "Zusammenhalt" und kann hier heruntergeladen werden.

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Predigt zum 7. Ostersonntag von Generalabt Johann Holzinger

Gebet: Brache der Seele

Damit sich der Boden der Felder wieder erholen kann, gibt es die Brache. Da wächst nach Getreide, Mais, Klee oder was angebaut wird, ein Jahr lang nichts. Würde Brache nicht gefördert, verzichteten wahrscheinlich nicht alle auf diesen Produktionsausfall. Aber wir wissen auch, dass der Ackerboden diese schöpferische Pause braucht, in der er wieder Kräfte sammeln kann. Wenn dem Boden diese Zeit gewährt wird, schenkt er im Jahr darauf wieder mehr zurück.

Die um Maria, die anderen Frauen und die 11 Apostel versammelte junge Kirche hat auch so etwas wie eine Brach-Zeit. Sie sind alle an einem Ort. Nach dem Schock durch den Tod Jesu und nach dem Wiederaufleben der Freude durch die Auferstehung befinden sie sich in einem erneuten Gefühls-Absturz, weil der Herr in den Himmel aufgefahren ist. Sie haben zwar das Versprechen, dass der Herr wiederkommt, aber da wissen sie nicht, wann das sein wird. Sie haben seine Zusage, dass er ihnen den Heiligen Geist senden wird, und das ist so sicher wie der Wind, der einmal aus der und dann wieder aus einer anderen Richtung weht. Es tut sich nichts. Sie sind beisammen. In Zeiten der Not wird die Gemeinschaft wieder geschätzt. Sie beten. Sie nützen die Brach-Zeit. Sie füllen die Leere mit Gebet, mit der Bitte, dass ihnen der Herr den Heiligen Geist schicken möge.

In Zeiten der Corona-Pandemie haben wir die soziale Distanz kennengelernt. Wir haben erkannt, wie wichtig die gegenseitige Unterstützung ist, wenn sich jüngere Leute gefunden haben, um Hochrisikopatienten mit den Dingen des täglichen Gebrauchs zu versorgen. Corona-Zeit ist auch Brach-Zeit. Es ist eine unsichere Zeit, wo es wichtig ist, einander zu stärken und aufzubauen. Das tun auch die Mitglieder der Urgemeinde von Jerusalem. Sie haben eine Zeit der Verarbeitung und der Neuorientierung aufgetragen bekommen.

So ist diese Lesung eine Ermutigung, gemeinschaftliche wie persönliche Brach-Zeiten oder sonst erzwungene Pausen vom Alltag als Voraussetzung für neue Aufbrüche zu sehen. Vielen ist in dieser Zeit aufgegangen, welche Leere der Betrieb und der Stress, das nicht Rasten- und Anhaltenkönnen hervorgerufen hat. Das ist uns auch abgegangen. Aber auf einmal war Zeit für etwas anderes, Dinge, die wir lange Zeit nicht tun konnten, und wenn es nur der Schreibtisch war, der wieder einmal neu sortiert wurde, oder vieles andere, das ungeordnet in Laden oder Kästen herumlag und uns eh schon die ganze Zeit auf die Nerven ging.

In der Gemeinschaft im Stift wurde deutlich, wenn nicht alle hinausfahren können zu ihren Tätigkeiten, kommt die Gemeinschaft wieder mehr zusammen, wir waren viele beim Chorgebet und bei der Messfeier. Das eine oder andere konnte feierlicher gestaltet werden, weil wieder Zeit war.

Viele Gläubige, die ohne Gottesdienst auskommen mussten, entdeckten das Beten und Feiern im Haus wieder. Auch die digitalen Möglichkeiten erweiterten den Horizont durch Gottesdienste im Fernsehen, von denen noch nie so viele übertragen wurden wie in dieser Zeit.

Gebet ist Brach-Zeit, um die Leere zu füllen, wo sich noch nichts tut. Wenn uns die Leere anfällt, ihren Abgrund auftut und depressiv zu machen droht, ist das ein Anruf, sich dieser Leere zu stellen.

Mit Gebet können wir sie füllen und uns auf das Kommende einstellen. Dass wir ja nicht die Neuorientierung verschlafen oder übersehen, wo die neuen Möglichkeiten zu finden sind. Auch das ist Auferstehung.

Jesus selber hat gebetet vor wichtigen Entscheidungen. Schon bei seiner Taufe am Jordan heißt es: „und während er betete, öffnete sich der Himmel“. Da tut sich beim Beten ein neuer Horizont auf, wir bekommen Zugang zum Himmel, zum eigentlichen Leben. Das muss nicht erst bei unserer endgültigen Ankunft im Himmel sein, sondern immer schon, wo Hürden überwunden werden wollen, wo wir noch nicht wissen: Was ist da dahinter? Das gehört im Gebet angegangen!

Jesus betet auch vor der Wahl der 12 Apostel. Und er betet vor seinem Leiden am Ölberg, wo er mit dem Vater ringt, ob es nicht auch ohne den Schrecken gehen könnte, den er bevorstehen sieht.

Heute haben wir im Evangelium eines der schönsten Gebete Jesu gehört. Der Evangelist hat es vor der Passion angesiedelt. Das Gebet erzählt uns von der innigen Verbindung Jesu zum Vater. Da sind wir mit unserem Beten eingebunden. Gebet ist der Zugang, den zu erkennen, der zu uns spricht, von wem er gekommen ist und dass er will, dass wir uns in diese innigste Verbindung, die es gibt, hineingenommen wissen. So bestätigt uns Jesus unsere immerwährende Würde und seine Liebe. Diese Würde und Liebe zu erkennen heißt, schon das ewige Leben haben. Das ewige Leben ist nach den Worten Jesu keine erst in der Zukunft beginnende Zeit. Nein: „Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.“

DAS ist die Grenzöffnung, nach der wir uns sehnen!

Leben ist das Geschenk des Gebets. Vielleicht eine Frucht der Brach-Zeit, dass sie nicht unfruchtbar bleiben muss. Leben, nicht das Leben, von dem wir nicht genug kriegen und raffen, was geht, sondern Leben in dem Sinn, wo wir uns beschenkt sehen, beschenkt mit Freude, mit Liebe, mit Lust, mit Glück, mit Geschmack am Leben.

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Predigt zum 5. Ostersonntag von Generalabt Johann Holzinger

Es geht nicht glatt auf

Es geht nicht glatt auf: Jesus ist auferstanden und jetzt sind alle begeistert und die Kirche wächst und breitet sich aus. Nicht immer sind sie „ein Herz und eine Seele“, nicht immer „hatten sie alles gemeinsam“. Das oft beschworene Ideal hat Risse. Diese Leitsätze, dass nach außen alles glänzen muss, dass die Fassade auf alle Fälle hochgehalten werden muss, haben ihre Fallen, ob in einer Ordensgemeinschaft, wo ja alle sowieso lieb sein müssen, wir haben ja die Ordensregel und heilige Bräuche; oder in einer Familie, wo es (angeblich) „nie Streit“ gibt. Ob in Familie oder Kloster, die Apostelgeschichte bringt da eine Entlastung. Vielleicht für Familien auch an diesem Muttertag.

In der Apostelgeschichte steht eines neben dem anderen: Der Idealzustand im einen – wie es danebengeht, im nächsten Kapitel. Damit das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verloren wird, damit, was hoffnungsvoll begonnen hat, aus Eigeninteressen und Rechthaberei nicht gleich wieder zerspragelt wird, ist es für Führungssituationen wichtig, Maßnahmen zu ergreifen, wie der Laden beisammen bleibt. Von einem solchen Konflikt berichtet uns die Apostelgeschichte. Die Urgemeinde wächst, die Apostel predigen und sind beim Gebet. Weil aber aus allen möglichen Weltgegenden Menschen in Jerusalem zusammenkommen und die Begeisterung allein nicht reicht, entsteht bei der Versorgung der armen Frauen einer Volksgruppe Unmut. Die Apostelgeschichte liefert uns hier ein Modell, wie so etwas angegangen werden kann. Gruppenbildungen, die Wahrnehmung von Minderheiten, unterschiedliche Herkunft und kulturelle Prägungen können Ursachen von Missverständnissen, Vorurteilen und falschen Einschätzungen sein.

Die Apostel erkennen den Handlungsbedarf. Einen Konflikt darf man nicht zu lang glosen lassen, sonst wird er giftig. Wie wir aber heute sehen, können viele, je mehr Abstand sie zum Boden haben, ganz gut damit leben. Die Apostel damals sehen klar, dass auch ihre eigene Kernaufgabe darunter leiden wird, wenn sie nicht reagieren: das Gebet und die Verkündigung. So rufen sie die Gemeinde zusammen. Sie beteiligen vor allem die Betroffenen an der Diskussion, beziehen sie mit ein und delegieren die Aufgaben. So werden die ernstgenommen, die sich benachteiligt fühlen. Auch wenn es damals schon so ist, dass die Männer beschließen, was mit den Frauen sein soll.

Von welchem Kaliber aber diese sieben gewählten Diakone sind, zeigt uns die Geschichte des Erstgenannten, des Stephanus. Er wird nicht nur praktisches Geschick gehabt haben in den Fragen der Organisation der Urgemeinde. Wie wir wissen, war er sehr wortgewaltig und überzeugungskräftig. – letztlich war diese kluge Delegierungsmaßnahme die Quelle der weiteren Ausbreitung der Kirche, nach dem Tod des Stephanus, der ersten Verfolgung, und der darauf folgenden Zerstreuung in alle Windrichtungen im römischen Reich.

Es geht nicht glatt auf:

In der zweiten Lesung wird uns gesagt, wie wertvoll wir sind, auserwählt, königlich, heilig – insofern wir uns als Gottes besonderes Eigentum wissen dürfen. Aber an Jesus und besonders seiner Auferstehung stoßen sich viele. Er ist bis heute Stein des Anstoßes, Fels, von dem man auch abstürzen kann. Es besteht die Möglichkeit, sich an Jesus zu „der-rennen“. Das ist die Karambolage mit Totalschaden. Dann geht es um Jesu willen ums Trümmer einsammeln und wieder zusammen-sortieren. Dann geben wir Zeugnis von Gottes Erbarmen.

Der Weg mit Jesus, unser Weg mit ihm geht auch nicht glatt auf. Wenn schon die Apostel, die bei allem dabei waren, fragen, wie sie den Weg kennen sollen? Und wie Jesus sich bemüht, sie zu überzeugen, es ihnen haarklein auseinanderzuklauben, dass alles gut wird und dass +ER und der Vater eins sind und dass dort der Ursprung ist, wo sie ihr Leben festmachen können. Der Vater, der Platz hat für alle und eine Bleibe, ein Dach über dem Kopf, der uns nicht im Regen stehen lässt. .

Warum soll Jesus der einzige Weg sein? – Viele Wege führen nach Rom.

Warum kann überhaupt noch heute, wo jeder behauptet, er hat sie und wo es für jede genauso gute Gegenargumente gibt, gesagt werden, er IST DIE Wahrheit?

Und kann nicht jeder mit seinem Leben auf seine Art selig werden?

In unserem Wort „Methode“ steckt das griechische Wort für Weg. Jesus wirbt für die Methode Gottes. Die heißt Jesus. Der Methode Jesus bedient sich Gottes. In Jesu Rede und Tat wird etwas vom unsichtbaren Gott sichtbar. Durch den Glauben kommen wir „auf Schiene“, sind wir wieder „in der Spur“.

Jesus ist das einzig Wahre. Er gibt Antwort auf die Fragen: Wo gehöre ich hin? Wo ist meine Bleibe?

Ich weiß, ich stehe nicht im Regen.

Jesus ist DER Weg und nur +ER: Weil nur Gott, der Vater Jesu Christi, die Macht des Todes überwinden kann.

Wo Christen sich dieser „Methode Gottes“ bedienen und auf Jesus setzen, weil um ihn herum kein Weg zu Gott führt, vergrößern sie das Wirken Jesu. So verbreiten wir Auferstehung! So geht unser Leben glatt auf!

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Predigt zum Fest des Hl. Florian von Generalabt Johann Holzinger

Abgründe

Wenn wir den Hl. Florian feiern, den, der Stift und Markt seinen Namen gibt, der unser Schutzpatron ist im Kloster und im Land, dann gehen wir seine Wege nach. Seinen Weg, für Menschen da zu sein, für die, die es besonders brauchen. Dann wird das so frappierend klar, dass er den Weg des Evangeliums nach-geht: „sie werden euch vor die Gerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen. Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt, damit ihr vor ihnen und den Heiden Zeugnis ablegt“ (Mt 10,17-18).

Der Herr kündigt den Seinen an, was ihm selber widerfahren ist, und was kommt, wenn sie seinen Weg nachgehen. Das Gericht dieser Welt ist überall da, es passiert nichts mehr geheim. Alles wird offenbar. Nicht immer ist uns diese Gerichtsbarkeit, so wie sie heute öffentlich gemacht wird, recht. Es wird immer mehr deutlich, wo der Weg ist, ob wir es uns richten, uns ein-richten, oder ob wir der Welt und den Menschen gerecht werden.

Einsatzkräfte werden heute angepöbelt, getreten, behindert oder ohnedies für verrückt erklärt. Auch die Botschaft von der Auferstehung können viele nicht mehr hören, jedes Tun von Kirche ist ihnen suspekt.

So führt der Weg des Hl. Florian, wie er nach Lorch geht, und nicht daheim gemütlich sitzenbleibt, sondern um Verantwortung zu zeigen als Christ, auch wenn das Geschehen nicht unbedingt hautnah herangeht, so führt ihn dieser Weg zum Statthalter. Der sieht sich und sein Stückchen göttliche Kaiser-Macht infrage gestellt. Er muss dem Befehl des Kaisers gehorchen. Er lässt den Störer seiner Ruhe foltern. Dann kommen sie auf der Ennsbrücke an. Da schauen sie in den Abgrund. Die einen, wo sie ihn gerne hinhaben möchten, er, Florian auch in den Abgrund, wie sein Herr am Ölberg, ob es so sein muss, und, wie er dahängt am Kreuz, mit seinen Fragen, mit seinem Schrei nach Gott. Den er nicht mehr „der-schreit“. Florian schaut in den Abgrund. Aber nicht haltlos. Er betet. Und das eine Stunde lang. Dann werden sie nervös. Wer hält das schon aus: eine Stunde – anscheinend nichts! Aber Florian steht da, aufrecht, mit erhobenen Händen, dem zugewandt, von dem er weiß, dass er auf ihn wartet. Genauso wie in der Passion des Herrn, werden ihm alle Schlechtigkeiten und Winkelzüge derer, die meinen, ihn ans Messer liefern zu müssen, aufgestiegen sein.

Es kann sein, dass Beten ein Schauen in den Abgrund ist. Das war auch für Heilige eines Kalibers wie Johannes vom Kreuz, der kleinen Hl. Theresa und auch Mutter Teresa von Kalkutta so. Angesichts der Welt, so wie sie uns begegnet, kann da ein Abgrund sein, haltlos, grundlos, kein Gott in Sicht, der noch seine Hand drunterhält.

Wir wissen auch nicht, wie tief der Abgrund sein wird, den die Coronakrise angerichtet hat und noch anrichten wird und wie uns das noch treffen wird. Der Abgrund hat bei uns gottseidank seinen Sog nicht ausüben können mit der Ansteckung. Wir dürfen uns aber nichts vormachen, wer meint, wir seien nicht knapp dran, kann sich sehr schnell täuschen.

Auf einmal hat sich der Abgrund aufgetan, wo wir uns doch so sicher gefühlt haben. Abgrund kann auch die Sinnlosigkeit sein, wenn sie uns überfällt, wenn wir sehen, bei Verantwortlichen in der Politik, auf wie verrückte Gedanken man denn noch kommen kann, oder wenn das Geld alles regiert und ihm alles geopfert wird. Überall, wo sich die Angst auftut, wie auch vor dem Zukunftsweg der Diözese. Da ist das Hindernis der Machtverlust, nicht mehr das zu sein, was man gerne bleiben möchte. Oder die Abgründe und inneren Gespenster – so nennt sie Papst Franziskus – die letztlich dem Unglauben zuzuschreiben sind. Da kann es sein, dass sich unsere inneren Verfolger melden, uns die geistliche Müdigkeit überkommt, Traurigkeit, Angst vor Erfolglosigkeit, Lähmung.

Heute hat einer Namenstag, der auch in seinen Abgrund schaut. Es ist ein Florian, der in Kronstorf seine Mutter getötet hat. Von dem alle sagen, das war nicht er, da war er nicht er selber. Ein sehr großgewachsener Mann. Überall beliebt, hilfsbereit, was er anging, passte, ein Feuerwehrkamerad, wie er im Büchl steht, mit allen Freund. Irgendetwas ging in ihm los. Bei ihm nicht gegen sich selber. Jetzt fragt er sich im Garsten, warum hab ich das getan? Der Mensch, sich selbst das Rätsel, wie Augustinus sagt. Manchmal nicht aufzulösen. Vielleicht hilft ihm der Hl. Florian, dass all das Gute bisher in seinem Leben, nicht einfach durchgestrichen ist.

Bei der Videokonferenz, wo ich den Kronstorfer Feuerwehrern am Donnerstagabend zugeschaltet war, wollten sie ihrem Freund und Kameraden ihres Beistands versichern. Am Tag darauf las ich im Te Deum von der Bekehrung des Paulus. Wie Hananias den Auftrag bekommt, einfach auf das Wort des Herrn hin zum Saulus zu gehen, dem es vor Damaskus mitsamt seinem Auftrag, die Christen auszurotten, vom Pferd heruntergeholt hatte, ihm die Hände aufzulegen und ihn von seiner Blindheit zu heilen. Was wird dem Hananias durch den Kopf gegangen sein, und wie groß war sein Gottvertrauen, gerade diesen Menschen, von dem nur Böses bekannt war, zu heilen und ihm den Heiligen Geist zuzusprechen

Somit ist die Stunde, die Florian auf der Brücke betet, symbolisch, für den Abgrund, der sich in einer solchen Situation auftut. Die so lang auszuhalten ist, bis sich die Stimme des Lebens melden darf, dass die Zusage: hab keine Angst, ich bin bei dir, stärker ist. Das geht nicht vorschnell, nicht nach einer halben Minute. Es kann dauern. Aber dann ist es kein billiger Trost mehr oder Vertröstung, sondern da wird der Halt gewiss, so wie der Weg manchmal auf einem Berg schmal und steil sein kann, aber im Vertrauen zu gehen ist.

So ein Vertrauen kommt nicht von uns selber. Das kann uns nur zugesagt werden. Das kommt von der Auferstehung Jesu. Von ihr kommt die lebendige Hoffnung (2. Lesung), dass das, was uns bereitet ist, jenes unvergängliche Erbe, nicht zerstört werden kann, sondern auf uns wartet. Daraus kommt die Freude, solche Zeiten durchzustehen, daran zu wachsen, gleich, ob Abgründe voll Feuer, oder voll Wasser auf uns warten. Die Auferstehung verleiht uns das Herauskommen aus all dem, und das ist wie ein neu geboren werden.

Wir dürfen es anschauen, hineinschauen in das, was uns bedroht. Im Blick auf den auferstandenen Christus werden wir nicht untergehen und können daran reifen, was es heißt, in seiner Nachfolge in Liebe zu leben und damit den Weg des Hl. Florian weiterzugehen.

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Die Gemeinschaft des Stiftes St. Florian trauert um ihren Mitbruder KsR Hermann Scheinecker, der am 20. April 2020 verstorben ist. Alle, die ihn gekannt haben, schätzten ihn als einen wohlwollenden und aufmerksamen Begleiter. Sein reiches seelsorgliches Wirken hat reiche Frucht getragen. Er möge nun in Gottes Barmherzigkeit ruhen in Frieden! Hier finden Sie die Parte.
Die Predigt beim Begräbnis wurde von Propst Johann Holzinger gehalten. Diese finden Sie hier.

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Predigt zum Ostersonntag von Generalabt Johann Holzinger

Das Leben suchen

Wir haben ja gestern Abend schon Auferstehung gefeiert. Wir haben die geweihten Speisen genossen und – wie es in der Apostelgeschichte heißt – „mit +IHM nach seiner Auferstehung gegessen und getrunken“ (Apg 10,41). Die Frauen, die zum leeren Grab gekommen waren, taten sich da nicht so leicht. Gestern war auch noch das Grab verschlossen. Aber nicht immer ist ein Engel da, der alle Hindernisse ausräumt. Wir wünschen uns auch einen Engel, der die derzeitigen Hindernisse unserer Einschränkungen wegräumen könnte.

Für Maria Magdalena war es schon ein Stück weit besser. Als sie zum Grab kommt, ist der Stein weg. Sie ist zu einer Stunde aufgebrochen, wo es die nicht mehr aushalten, die nicht schlafen können. Gegen die Morgendämmerung, wo es auch kalt wird, steht sie besser auf und geht. Es hält sie nicht mehr. Sie muss dorthin, wo das ist, was von ihm übriggeblieben ist, der ihr leben half, der aus ihr sieben Dämonen austrieb, der ihr dazu verhalf, endlich frei und sie selber zu sein. Sie steht da vor dem offenen Grab. Sie wird sich gedacht haben: Jetzt ist alles dahin, alles vergeblich, keine Hoffnung mehr für den, dem ihre Liebe galt.

Sie geht wieder zurück und sagt den Aposteln ihre Vermutung, dass der Herr weggenommen wurde.

Dann kommt dieser seltsame Wettlauf von Petrus und Johannes zum Grab. Der Jüngere ist schneller, lässt aber dann dem Älteren den Vortritt. Petrus geht hinein, er will erforschen, was da los ist, und nimmt auch wahr, was er wahrnehmen kann, diese eigene Ordnung der Tücher und Leinenbinden, alles schön zusammengelegt. Was Petrus dachte, wird nicht mitgeteilt. Von Johannes heißt es: „Er sah und glaubte“ (Jo 20,8). Es wird aber nicht gesagt, was! Die beiden gehen wieder nach Hause.

Maria bleibt. Sie beugt sich in das Grab hinein. Sie geht mit ihrer Trauer bis an den Grund. Gestern waren noch die Engel vor dem Grab. Maria muss ganz in ihre Trauer hineingehen. Dann sieht sie zwei Engel. Nachdem sie den Grund ihrer Trauer genannt hat, wendet sie sich um und sieht Jesus dastehen, weiß aber noch nicht, dass er es ist. Sie hat sich umgewandt, von der leeren Totenwelt hin zu Jesus, nimmt ihn aber noch nicht als Auferstandenen wahr. Sie meint, es ist ganz wer anderer.

Jesus – ganz wer anderer. Jesus – Gott, wer sind sie für uns? Da müssen wir durch das entsetzliche Sterben hindurch, hin zum Grab, hinein in die Leere und wahrnehmen, dass da auch einmal gar nichts ist, kein Gott, kein Trost, keine Antworten. Nur weggehen bleibt einem übrig, wie es die Apostel tun. Geht es nicht vielen heute so, die sich diese Wege nicht antun wollen: Da kann doch kein Gott sein, wenn das und jenes passiert? Und sie gehen weg.

Jesus ist immer wer anderer. Wir finden ihn in dem, was auch Maria heilsam erfahren hat. Wir finden ihn als Provozierer, der Schein-Autoritäten infrage stellt, die einen Gott brauchen für ihre Machtspielchen. Wir finden ihn im Menschen, nicht nur im Gärtner. Jesus ist einer, der durch die Tränen hindurchsieht. Er gibt sich nicht geschlagen vor der Trauer. „Warum weinst du? Wen suchst du? Hast du nicht schon gefunden?“ Jemand, der außer sich ist, oder in einem Schock, der gehört angesprochen. Jesus nennt ihren Namen: „Maria!“ Da weiß sie wieder, wer sie ist, und wer der ist, der sie anspricht. Und es ist nicht irgendwer. Da wird alles lebendig, was war, wie er ihr das Leben zurückgegeben hat aus dem, wo sie gefangen war, der für sie da war, dem sie alles verdankt. Von ihm hat sie wieder leben gelernt, er half ihr heraus. Wir können es von ihr lernen, demjenigen zu vertrauen, der uns geschaffen hat, der uns sagt, dass es gut ist, so wie es geworden ist. Da können wir wieder stehen, nach vorn schauen und dem Leben trauen.

Dieses Glück möchte Maria mit Händen greifen. „Aber halt mich nicht fest!“ Ihr wird nicht gesagt, was sie nicht darf, sondern dass sich das Wunder der Auferstehung nicht mit Händen greifen und festhalten lässt. Dass es weitergeht mit einer Verheißung: Dass sie weitersagt und verkündet, dass Jesus zum Vater geht, zu seinem und zu unserem. Wer wie Maria erfährt, dass der DA ist, der so in ihrem Leben gewirkt hat, der darf Gott als den Unbegreiflichen erfahren, als den, wie er sich nennt: ICH BIN DA! Darum dürfen wir das annehmen, was Paulus im Kolosserbrief schreibt: „Ihr seid mit Christus auferweckt!“ (Kol 3,1) Mit ihm auferweckt heißt, mit ihm das Leben teilen, wie er es für uns geteilt, mit-geteilt, hin-gegeben hat. Dem schenkt er es, neue Schöpfung zu sein, zu leben, wie der Schöpfer es gemeint haben könnte. Auch mit dem „verborgen in Gott“, wo sich Gott nicht zeigt, aber auch dort, wo es offenbar wird, sicher auch, wo es herrlich ist.

Der Auferstandene hat Maria ganz im Herzen berührt, wieder so, wie schon vorher. Da öffnet er ihre Liebe. Sie soll weitersagen, was sie erfahren hat und es den Jüngern mitteilen. „Ich habe den Herrn gesehen!“ Sie weiß, dass er lebt, weil sie ihn vor der Kreuzigung als den erfuhr, der ihr Leben lebendig gemacht hat, und weil sie erfahren hat, dass das Kreuz diese Macht, lebendig zu machen, nicht zerstören konnte, sondern geöffnet hat für alle, die sich ihm zuwenden: zu meinem Gott und zu eurem Gott. So können wir leben lernen, durch das Kreuz hindurch, mit der Erfahrung des Grabes und mit all der Leere, die der Tod in uns hinterlassen kann. Wir können dem Leben trauen und brauchen vor dem Sterben keine Angst mehr zu haben und können so selber zu Zeugen für österliche Erfahrungen und Begegnungen werden. Das zeigt uns Maria, nicht in Sätzen des Glaubens, sondern so geschieht Ostern für uns, für alle, die das Leben suchen.

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Predigt zur Osternacht von Generalabt Johann Holzinger

Erschütternd!

Auferstehung ist ein Ereignis, das die Erde erschüttert, erbeben lässt. Wenn der Tod überwunden wird, weicht alles, hält sogar der Boden nicht mehr, auf dem wir stehen. Da steht nichts mehr. Es steht alles Kopf! So wie jetzt in der Situation, in der wir uns befinden. Und wir wissen nicht, auf was wir uns noch gefasst machen müssen. Woran halten wir uns da fest? Die Leere, das Nichts des Karsamstags wird uns noch eine Zeitlang begleiten. Wir sind heuer anders auf Ostern zugegangen. Wie gehen wir jetzt mit dem Fest weiter?

Die Frauen, die zum Grab gehen setzen sich den Naturgewalten aus, die sich gegen den Tod aufbäumen. Dann kommt der Engel, wie immer, wenn es etwas ganz Wichtiges von Gott gibt. Er wälzt den Stein weg, der den Zugang zum Leben verschließt und setzt sich drauf: so – geschafft!

Aber das Leben war schon ganz wo anders. Es ließ sich durch den Stein nicht aufhalten. Bis zur Gewissheit geht’s aber noch durch Furcht und Angst und Schrecken.

Aber postwendend, wie immer in dieser Lage, wenn alles erschüttert wird und der Abgrund seinen Rachen aufreißt, um alles zu verschlingen, kommt die Botschaft Gottes: „Fürchtet euch nicht!“ Der Gekreuzigte, den ihr sucht, ist nicht mehr hier. Er ist schon wo anders. Er ist uns immer voraus, voraus auch unseren Vorstellungen, Vermutungen, noch bevor wir Hoffnung fassen.

Ihnen wird versprochen, dass sie ihn sehen werden. In Galiläa, wo er solche Spuren hinterlassen hat. Das wird wieder wahr: Seine wichtigen Worte in der Bergpredigt, wie er auf Menschen zugegangen ist, wie er geheilt hat, keine Nähe gescheut hat, Hoffnung gemacht hat, Menschen in Bewegung gebracht, ihnen Sprache, Augenlicht gegeben hat. Das alles lebt wieder auf.

Immer noch ist die Stimmung gespalten: Voller Furcht und großer Freude. Beides ist da, immer, wenn noch keine Gewissheit da ist. Gott ist da in dieser Welt, die uns manchmal schreckt. Er ist nicht nur einfach „lieb“, sondern auch einmal schrecklich. Auch zu Ostern. Aber auch diese Welt ist Gottes Welt. So können wir sie realistisch sehen und annehmen. Aber dann kommt mehr und mehr die Freude, so wie Schritt für Schritt der Nebel der Sonne weicht.

Auferstehung beginnt dort zu wirken, wo wir sie einander mitteilen, wo wir in dieser Freude aufeinander zugehen, sie weitersagen. Die Freude breitet sich aus, wird so ein Lebensvirus, das rundum Freude bewirkt. So wie wir uns gegenseitig diese Osterfreude wünschen.

Zweimal werden die Frauen beauftragt, die Osterbotschaft weiterzuverbreiten. Osterfreude entsteht im Weitersagen im Freude-wünschen.

Osterfreude ist vor allem die entsprechende und angemessene Reaktion auf dieses erschütterndste Ereignis des Kosmos: dass der Tod nicht Tod bleibt, sondern dass er leibhaftig überwunden wird. Der Tod ist überwindbar. Wir müssen die Gewissheit, dass wir all sterben müssen nicht verdrängen, wie das alle Welt tut.

Auferstehung lässt uns aus uns herausgehen, wir brauchen nicht bei dem zu bleiben, was uns schiefgeht und was uns als Lebenslast begleitet. Krampf und Verschlossenheit können aufgebrochen werden. Der Stein ist weg. Wir können feiern. Über die Todesgrenze hinweg, mit dem Herrn, und seinen Zeichen von Brot und Wein, die er uns hinterlassen hat, wie er uns aufgetragen hat. Damit die Osterfreude weitergeht.

 

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Predigt zum Karfreitag von Generalabt Johann Holzinger

Peinliches Kreuz

Das Kreuz ist heute peinlich geworden. In immer mehr Wohnungen junger Familien sucht man vergeblich nach religiösen Symbolen. Spricht man es an, reagieren die Leute verlegen, macht man ihnen ein Angebot, ein Kreuz zu bringen, sind sie dankbar. Das Kreuz scheint vielen Kindern nicht mehr zumutbar, obwohl diese die grauslichsten Spiele auf ihren Bildschirmen haben. Sogar auf den Bergen sollen die Gipfelkreuze nicht mehr anecken. Aber die Kreuze kommen wieder – auch groß leuchtend auf den Windschutzscheiben der Fernfahrer.

Das hat auch mit unserer Hochglanz-Werbung zu tun. Alles perfekt, geschönt, gewaltsam auf jugendlich getrimmt. Schon länger grassiert, auch durch die technischen Möglichkeiten der Neuen Medien, das Vorgaukeln, dass alles im Leben schön ist, das Verhübschen der Widersprüche des Lebens und seiner Rätsel, um das Älterwerden und Verfallen durch Blendwerk zu kaschieren. Dieser Drang zum Schönen auch um den Preis der Verlogenheit. Wir tun so, als lebten wir ewig. Vergänglichkeit ist kein Thema, alles soll immer so weitergehen, der Tod findet wo anders statt. Wenn ihm wer begegnet, ist ein Toter kein Unfallopfer mehr, sondern schön hergerichtet im Sarg, eingehüllt ins Halleluja von Leonard Cohen, oder wie im Text nur „ins andere Zimmer gegangen“.

Es ist zweifellos ein schwerer Einschnitt, wenn wir durch die Corona News von so vielen Toten hören. Das kann Menschen schon an den Rand bringen. Der Tod rückt wieder näher, hält sich nicht an den gebotenen Abstand. Da beginnt Passion, Leiden, Ratlosigkeit, Einsamkeit, Fragen: Bin ich schon infiziert, oder der, der sich auch nicht an den Abstand hält? Passion derzeit ist dort, wo Menschen sterben, ohne dass wer zu ihnen darf, oder wo Ältere nicht besucht werden dürfen, wo wieder mehr Abhängigkeit schmerzhaft spürbar wird. Wir können nicht alles. Wir dürfen nicht alles und das parlamentarisch beschlossen und demokratisch abgestimmt. Auf einmal tauchen auch wieder die Fragen auf, wie wir sie in den Psalmen beten: Wie lange noch? Und: Was kommt nachher? Wie wird es weitergehen?

Der Karfreitag bringt uns wieder nahe, was es alles gibt, was auch noch menschlich ist: Verrat, Auslieferung, den Autoritäten vorgeführt zu werden, mitten in einer schreienden Mengen sein Folterwerkzeug durch die Straßen schleppen, angenagelt werden, allen zum Gespött preisgegeben zu sein, hilflos, von allen verlassen verrecken.

Weil einer da durch gegangen ist, hält unser Glaube das aus: Es darf sein, dass wer schwach ist, Wunden zeigt, so viel durchmacht, dass er daran stirbt. Und der Glaube macht uns deutlich, dass das alles auch aus Liebe geschehen kann, Liebe, mit der sich einer hingibt, sein Leben hergibt, alles von sich preisgibt, auch sein Gottsein. Und er ist darin ein ganz anderer Gott, ohnmächtig, aber liebend bis zuletzt. Nicht einer, der auf alles eine Antwort weiß, sondern der die Fragen mitnimmt in seine Liebe hin zum Vater. Er ist nicht der Held im Lorbeerkranz, sondern der gekreuzigte Gottessohn mit der Dornenkrone. Er opfert nicht andere, er opfert sich selbst. Und er lässt sich auch nicht von anderen zum Helden erklären. Er geht die dunklen Wege unserer Erbärmlichkeit und Ohnmacht mit. Er durchleidet nicht nur die Todesqual, sondern auch das Grauen des Zweifels und schreit hinaus, dass er von Gott verlassen ist. Das Kreuz ist und bleibt anstößig. Erlösen können uns nicht irgendwelche Mächtigen, erlöst sind wir durch das Mitgehen Gottes in unsere Ohnmacht, durch sein Mitleiden und durch seine Treue bis in den Tod. Dadurch gewinnen Ohnmacht und Leid nicht aus sich selbst heraus erlösende Kraft. Gerettet sind wir durch die Liebe, die bis zum Letzten geht, bis zur Hingabe des Lebens. Sie eröffnet den Zugang zum neuen Leben in der Auferstehung.

 

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Predigt zum Gründonnerstag von Generalabt Johann Holzinger

„Das Sitzfleisch ist die eigentliche Sünde wider den Heiligen Geist“ (Friedrich Nietzsche)

In dem Buch „Ausgeheuchelt“ von Stefan Jürgens (Herder 2019) steht auf S. 97: „Durch den Mangel an pastoralem Personal – Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten – sind in den Bistumszentralen immer mehr Mitarbeiter eingestellt worden, die unterstützend tätig werden sollen, um das pastorale Personal zu entlasten. In Wirklichkeit aber machen viele von ihnen alles nur noch viel komplizierter, da sie einerseits Informationen von der Gemeindeebene brauchen und andererseits vom Schreibtisch aus innerhalb ihrer tariflich geregelten Arbeitszeit in diese hineinwirken müssen, allein um ihr Dasein zu rechtfertigen. Das bedeutet: man muss sie füttern, damit sie etwas zu tun haben, man muss ihren Einladungen folgen und an ihren Konferenzen teilnehmen. All das führt nicht zu einer Entlastung, sondern zu weiterem Arbeitsaufwand, vor allem bei Sitzungen, die wichtig wirken sollen, aber absolut nichts bewirken.“ Auf der folgenden Seite heißt es noch von diesen vielen Zusammentreffen: „Es hat zwar nichts gebracht, aber wir hatten intensive Gespräche und eine ganz dichte Atmosphäre“, wird hier eine Teilnehmerin zitiert. „Das Sitzfleisch ist die eigentliche Sünde wider den Heiligen Geist“, meinte schon Friedrich Nietzsche. Jesus war jedenfalls Wanderprediger, bei ihm saßen nur die Worte. Soweit aus diesem Buch.

Die heutigen Lesungen enthalten alle drei detaillierte Anweisungen, Grundlegungen, Fundamente unseres Glaubens. Fußend auf dem Glauben des Gottesvolkes des Alten Bundes. Bei den Juden gibt es ja am Paschafest die Frage des Jüngsten am Tisch: „Warum feiern wir das?“ Auch wir selber fragen und wir werden gefragt, wenn wir uns noch fragen lassen, und 90 % der Katholiken oder mehr fragen normalerweise überhaupt nicht mehr danach, warum wir das tun, wofür das gut sein soll?

Im Buch Exodus wird minutiös der Ablauf des Paschafestes Schritt für Schritt aneinandergereiht, bis hin zur Aufforderung: „Esst es hastig!“ Es ist keine Zeit mehr, es drängt der Aufbruch. Das Fest geht zurück auf einen Aufbruch. Ursprünglich war es ein Hirtenfest. Hirten können nicht einfach bleiben, wo sie sind, auch wenn ihnen ein Ort günstig und angenehm war. Sie müssen für ihre Herden sorgen und immer wieder aufbrechen, in die Fremde ziehen, neues Land erkunden, neue Weiden finden. Jeder Aufbruch hat etwas Verheißungsvolles an sich, aber auch sein Risiko. Darum haben die Israeliten als Hirtenvolk, als sie zum Beginn des Frühjahrs wieder aufbrachen, ein Fest gefeiert, um Gottes Schutz vor bösen Mächten und vor Unglück zu erbitten. So wie es dazugehört, haben sie sich vor dem Aufbruch noch einmal mit einem Mahl gestärkt.

Dann wurden die Israeliten in Ägypten sesshaft. Da lebten sie im Vergleich zur kargen Steppe wie im Paradies. Aber die Herren des Landes begannen, sie auszubeuten und zu Sklaven zu erniedrigen. Es war schon damals so: Auf dem Rücken der Armen leisteten sich die Reichen luxuriöse Paläste und einen prunkvollen Lebensstil. Unter ihrem Anführer Mose wagten sie einen Aufbruch. Eigentlich war es ein Ausbruch aus nicht mehr lebbaren Bedingungen. Immer, wenn etwas ganz Schwieriges ansteht, wo es ums Ganze geht, ist das erste, was wir tun, uns daran zu erinnern, wie es früher war. Wenn es schon einmal gut gegangen ist, dann gibt das Sicherheit im Neuen, im Wagnis. So auch Israel in Ägypten. Es erinnert sich an die alten Bräuche aus der Vorzeit, der Hirtenzeit. Es wurde um das Gelingen gebetet.[Wiederholung von oben]. Das war das Paschafest. Die Sache ging gut aus. Trotz aller Widrigkeiten konnten die Israeliten nur staunen und sagen: Das kann kein Zufall gewesen sein. Gott selbst hat uns geführt und gerettet. Das hat Israel auch durch den schwierigen Wüstenzug immer wieder erlebt. Angesichts der ungewissen Versorgung sehnte man sich zurück nach den Fleischtöpfen Ägyptens. Die Freiheit war immer schon das Schwierigere.

Jahrhunderte später ist das Volk wieder aufgebrochen, heimgekehrt aus Babylon und machte sich an einen mühsamen Neuanfang. Und auch später durch den Horror der Verfolgung und durch allen Antisemitismus blieben sie bei der Feier des Pascha. Es war sie Ausdruck der Hoffnung bis heute, dass Gott, der sie damals so wunderbar gerettet hatte, immer noch zu ihnen steht und irgendwann doch noch ihrem Elend ein Ende bereiten wird.

Dann kam Jesus. Er sagte den Menschen, dass Gott dem Menschen gut ist und nur Gutes will, keinen verurteilt und dass jeder aufbrechen darf, was ihn versklavt und am Leben hindert. Als es für ihn immer enger wurde und sich abzeichnete, dass es ihm ans Leben ging, hat er an seinem letzten Abend mit seinen Freunden das Paschafest gefeiert als seinen Abschied mit der Bitte um einen glückenden Aufbruch von hier nach anderswohin. Damit sie sich beständig erinnern, dass Gott für jeden und immer wieder das tut, was er schon in Ägypten, in der Wüste und in Babylon getan hat. Und dass das jedes Mal wahr wird, wenn einer aufbricht zum Leben und auch ganz am Ende zu dem Leben, das ewig ist. Dafür wollte Jesus letztlich einstehen. Darum ist sein Abschied ein Aufbruch und das Versprechen, dass jeder, der sich so auf Gott verlässt wie er, im Leben ankommt.

Dafür haben wir detaillierte Anweisungen, wie gefeiert werden soll, auch in dem ältesten Bericht vom letzten Abendmahl von Paulus. Anweisungen, dass das Feiern und Leben nicht auseinanderdividiert werden darf, Anweisungen zum Teilen, zur Solidarität. +ER für uns, wir füreinander, schau auf dich, schau auf mich! Anweisung des Aufbruchs zum Frieden. Mit wem ich teile, dem kann ich nicht feind sein.

Und die detaillierte Anweisung des Aufbruchs zum Schwächeren, Anweisung, wo Karriere zu machen ist: Aufbruch zum Niederknien bei der Fußwaschung. Aufbrechen – immer wieder zueinander. Aufbrechen in der Sorge um sich selbst, zu den Beziehungen, zur Gemeinschaft, zu dem, was auch anderen guttut, Aufbrechen, sich der eigenen, inneren Welt zu stellen und mit Jesus dort die Wahrheit aushalten.

Das ist immer spannend, riskant, ein Wagnis, manchmal ein Schritt ins Dunkle, Unbekannte. Mit dieser Feier jetzt bitten und hoffen wir, dass unsere Aufbrüche gut ausgehen. Jeder Aufbruch ist ein neuer Anfang. Wir müssen aufbrechen, immer wieder noch einmal und noch einmal, und irgendwann ein letztes Mal. Mit allen unseren Aufbrüchen landen wir im ewigen Ostern. Brechen wir auf, bleiben wir nicht am Sitzfleisch picken, feiern wir Auferstehung!